Außergewöhnlich, eigenartig und exzentrisch sind die Klangwelten der russischen Komponistin Galina Ustwolskaja (1919-2006) und ihres älteren Kollegen Charles Ives (1874-1954) aus den USA. Die in Berlin lebende englische Komponist Rebecca Saunders (*1967), nicht minder stark in ihren Musikkonzepten, sucht eher die Kraft im Leisen und Zerbrechlichen.

Am Mikrofon: Sylvia Freydank

Sebastian Geyer, Bariton
Ensemble Modern
Leitung: Stefan Asbury

Charles Ives (1874-1954):
Central Park in the Dark (1908)
The See'r for voice and piano (1914-1920)
The See'r (1913)
Remembrance for voice and piano (1921)
The Pond (Largo sostenuto) (1906/1912-13)
Like a Sick Eagle for voice and piano (1913-1920)
Like a sick eagle (1913)
Sunrise for voice, violin and piano (1926)
A Set of Pieces for Theatre or Chamber Orchestra (1905-1911)

Galina Ustwolskaja (1919-2006): 5. Sinfonie "Amen" für Sprecher, Violine, Oboe, Trompete, Tuba und Schlagzeug (1989/90)

Rebecca Saunders (*1967): a visible trace - for eleven soloists and conductor (2006)

(Aufnahme vom 1. Oktober 2020 aus der Alten Oper Frankfurt, Mozart Saal)

Charles Ives, 1947

"Einzelgänger", "Visionär", "Pionier", "Sonderfall" - Der amerikanische Komponist Charles Ives fordert heraus: Seine Musik scheint in keine Kategorien zu passen. Einer Anekdote nach, ließ Ives‘ Vater einmal als Bandmaster zwei Blaskapellen mit unterschiedlichen Stücken, in verschiedenen Tonarten und Tempi aufeinander zumarschieren, um zu hören, wie die Klänge sich vermischen. Die Überlagerung von verschiedenen Ebenen im musikalischen Raum und die Collage wurden zu den markanten Merkmalen von Ives‘ Musik. Auch die akustische Wahrnehmung von New York ist eines seiner Themen: In "Central Park in the Dark" lässt er uns als Hörer auf einer ruhigen Parkbank Platz nehmen: Die urbanen Klänge dringen aus verschiedenen Distanzen zu uns. Außerdem präsentiert das Programm des Ensemble Modern vom 1. Oktober 2020 mit dem Dirigenten Stefan Asbury einige der zahlreichen Lieder von Ives in verschiedenen Besetzungen (vom Klavierlied bis zur Ensemblefassung).

Galina Ustwolskaja

Der überbordenden Fülle bei Ives steht die Reduktion bei Galina Ustwolskaja gegenüber, die als Komponistin ebenso eigenständig und unabhängig ihren Weg ging. Ihre 5. Sinfonie "Amen" (1990) ist sehr ungewöhnlich besetzt: Sprecher, Violine, Oboe, Trompete, Tuba und Perkussion. An Ustwolskajas Musik fasziniert Rebecca Saunders "das äußerste Fokussieren der Intention, die Klarheit und die Reinheit des musikalischen Ausdrucks; schamlose Leidenschaft und Besessenheit". Ein weiterer Referenzpunkt für Saunders ist Samuel Beckett: "gnadenlos direkt und außerordentlich fragil". So ähnlich ließe sich auch ihre eigene Musik beschreiben.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 26.11.2020, 20:04 Uhr.

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