Für die einen sind sie Vandalismus, für die anderen Kunst: Graffitis. Die bild- und zeichenhaften Interventionen im öffentlichen Raum haben auch Spuren in der zeitgenössischen Musik hinterlassen.

Luigi Nono (1924-1990): Musica-Manifesto N. 1 (1968/69)
"Un Volto, del Mare" für Sopran, Stimme und Tonband
Liliana Poli, Sopran
Kadigia Bove, Stimme
"Non consumiamo Marx" für Tonband (Stimme: Edmonda Aldini)
(Realisation der Tonbänder: Studio de Phonologie de la RAI de Milano, Marino Zuccheri, 1969)

Salvatore Sciarrino (*1947): "Quaderno di Strada" (2003). Zwölf Gesänge und ein Sprichwort für Bariton und Ensemble
Miljenko Turk, Bariton
Ensemble Modern
Dirigent: Bas Wiegers
(Aufnahme vom 28. April 2021, Frankfurt LAB, Frankfurt am Main)


Werktitel und Werkkommentare… Wir brauchen sie. Die Komponist*innen hingegen vielleicht nicht einmal. Aber ohne Namen lässt sich vieles kaum ansprechen. Über Graffiti in der Musik ließe sich kaum reden, gäbe es nicht Autor*innen, die ihre Stücke so betitelt hätten. Die Motivation, eine Komposition als Graffiti auszuweisen, dürfte für jede und jeden eine andere gewesen sein. Wahrscheinlich, weil er oder sie die anonym auf Wände, Züge oder andere Stellen im öffentlichen Raum gesprühten, mit fetten Markern geschriebenen Wörter, Tags, Symbole oder Sprüche interessant oder verstörend oder aussagekräftig fand und sie ideell, mithin strukturell in die musikalische Konzeption hat einfließen lassen.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 30.12.2021, 20:04 Uhr.