Prokofiew trifft auf Schostakowitsch, eine Russin auf lauter Litauer: Die Geigerin Alena Baeva und das Staatliche Sinfonieorchester Litauen stellen Prokofiews erstes Violinkonzert der 8. Sinfonie von Schostakowitsch gegenüber.

Alena Baeva, Violine
Staatliches Sinfonieorchester Litauen
Leitung: Gintaras Rinkevičius

Prokofjew: 1. Violinkonzert D-Dur op. 19
Schostakowitsch: 8. Sinfonie c-Moll op. 65

(Aufnahme vom 3. Oktober 2021 aus der Litauischen Nationalphilharmonie in Vilnius)

Prokofiews Violinkonzert entstand ab 1915 in mehreren Etappen, wurde aber erst 1923 in Paris uraufgeführt - auch deshalb, weil sich zunächst kein Geiger an das Werk heranwagen wollte. Schließlich erbarmte sich der Konzertmeister der Pariser Oper, Marcel Darrieux, des Werks. Das Violinkonzert wurde zusammen mit Strawinskys neuem Bläser-Oktett aufgeführt. Verkehrte Welten: Zehn Jahre nach der skandalumwitterten Uraufführung seines Balletts "Le Sacre du printemps" zog das Publikum sein modern tönendes Oktett jetzt dem Violinkonzert von Prokofiew vor - weil das in den Ohren der Hörerinnen und Hörer zu "romantisch" klang.

"Kriegssinfonie" oder "Protestsinfonie"? Das ist bei Schostakowitschs 8. Sinfonie die Frage. Entstanden 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg und während der Belagerung Leningrads durch die Deutsche Wehrmacht, könnte man ersteres annehmen. Doch der Dirigent Kurt Sanderling hörte hier "den Schrecken des Lebens eines Intellektuellen in der damaligen Zeit" heraus - und immerhin hat er Schostakowitsch, der unter der Stalin-Diktatur litt, auch persönlich gekannt. Die 8. Sinfonie fiel zunächst durch: Mangelnden Patriotismus warfen ihm seine Zeitgenossen vor. Unter den Kritikern war übrigens auch Sergej Prokofiew.

Anschließend:
Schubert: Allegro für Klavier zu vier Händen a-Moll D 947 "Lebensstürme" (Klavierduo Speidel-Trenkner)
Haydn: "Der Winter" aus dem Oratorium "Die Jahreszeiten" (Genia Kühmeier, Sopran / Werner Güra, Tenor / Christian Gerhaher, Bariton / Arnold-Schönberg-Chor / Concentus Musicus Wien / Nikolaus Harnoncourt)

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 31.01.2022, 20:04 Uhr.