Paris - Prag - New York: Das Programm des Debüt-Konzerts von Petr Popelka und Josef Špaček ist ebenso weitspannend wie vielschichtig und mitreißend. Eine neue Welt erschließt Petr Popelka gerade für sich.

Josef Špaček, Violine
Leitung: Petr Popelka

Ravel: Le Tombeau de Couperin
Martinů: 1. Violinkonzert
Dvořák: 9. Sinfonie e-Moll op. 95 "Aus der Neuen Welt"

(Aufnahmen vom 16. und 17. Dezember aus dem hr-Sendesaal)

Fast zehn Jahre lang war der Tscheche stellvertretender Solo-Kontrabassist der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Doch dann tauschte er 2019 den Bassbogen gegen den Taktstock, wurde Chefdirigent des Norwegischen Rundfunkorchesters und wird im kommenden Jahr das Radio-Symphonieorchester Prag übernehmen - und damit das Orchester, in dem er als 19-Jähriger selbst Kontrabass gespielt hatte.

Prag, Heimatstadt von Petr Popelka, ist die Dvořák-Stadt, hier wurden fast alle seiner Sinfonien uraufgeführt. Nicht aber die Neunte: Sie ist in der und für die "Neue Welt" entstanden und soll nach Angaben des Komponisten mit Themen arbeiten, die "Eigenheiten der Indianischen Musik verkörpern" - wobei sich Dvořák da dem Wilden Westen ähnlich frei und fantasievoll näherte wie Karl May in seinen Romanen.

Josef Spacek

Auch der Geiger Josef Špaček hat eine Orchester-Vergangenheit, war er doch der jüngste Konzertmeister der Tschechischen Philharmonie, deren Gründungskonzert 1896 Antonín Dvořák dirigiert hatte - und in der auch das einstige Wunderkind Bohuslav Martinů einige Jahre als Geiger beschäftigt war. Sein erstes Violinkonzert komponierte Martinů aber im Paris der 1930er, im neoklassizistischen Stil, wie er durch Igor Strawinsky dort in Mode war. Schnittig klingt das, mal brillant, mal turbulent - und doch immer auch, jedenfalls unter den Händen von Josef Špaček und Petr Popelka, ein klein wenig böhmisch.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 28.12.2021, 20:04 Uhr.