Täuschung, HipHop und die Frage: Wie politisch soll Musik sein? Das Ensemble Modern stellt sechs neue Werke der jüngeren Komponisten-Generation vor - und portraitiert sie in ihrer ganzen Vielseitigkeit.

Ensemble Modern Frankfurt
Leitung: Lucie Leguay

Johannes Boris Borowski (*1979): Innig (2021) (Uraufführung)
Anna Korsun (*1986): Marevo (2020) for singing ensemble
Hankyeol Yoon (*1994): Grande Hipab (2021) (Deutsche Erstaufführung)
Milica Djordjević (*1984): transfixed - transfixed‘ (2020)
Johannes Maria Staud (*1974): Listen, Revolution (We’re buddies, see -) für Ensemble (2021) (Deutsche Erstaufführung)

(Aufnahme vom 3. Dezember 2021 aus dem Mozart Saal der Alten Oper Frankfurt)

Die Ukrainerin Anna Korsun lässt in ihrer Komposition "Marevo" - was so viel wie "Fata Morgana" oder "Täuschung" bedeutet - sinnlich-surreale Klanglandschaften entstehen, auch dank Singender Sägen. Um starke, expressive Kontraste geht es dafür der Serbin Milica Djordjević in ihren beiden Stücken "transfixed" und "transfixed‘" - einmal ohne, einmal mit Apostroph.
Klänge verinnerlichen - mit diesem komplexen Prozess setzt sich Johannes Boris Borowski in "Innig" auseinander. Und Johannes Maria Staud greift für "Listen, Revolution (We’re buddies, see -)" ein Gedicht des Afroamerikaners Langston Hughes auf, das den strukturellen Rassismus anprangert. Der südkoreanische Dirigent, Pianist und Komponist Hankyeol Yoon wiederum parodiert in "Grande Hipab" das Pop-Genre HipHop und vermischt es mit barocken Ostinato- und Rezitativ-Formen.

Am Mikrofon: Ursula Böhmer

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 17.02.2022, 20:04 Uhr.