Ein Mysterium, ein Pazifist und eine Examensarbeit: Die Geigerin Isabelle Faust und das Symphonieorchester des BR kombinieren Benjamin Brittens Violinkonzert und Dmitri Schostakowitschs Erste Sinfonie mit dem Stück "Mysterium der Zeit" eines großen Unbekannten - des tschechischen Komponisten Miloslav Kabeláč.

Isabelle Faust, Violine
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Leitung: Jakub Hrůša

Miloslav Kabeláč: Das Mysterium der Zeit op. 31
Britten: Violinkonzert op. 15
Schostakowitsch: 1. Sinfonie f-Moll op. 10

(Aufnahme vom 29. Oktober 2021 aus der Isarphilharmonie München)

Miloslav Kabeláč? Der Name dürfte selbst ausgewiesenen Musikkennern wenig geläufig sein. Dabei zählte Kabeláč (1908-1979) zu den wichtigsten tschechischen Komponisten des 20. Jahrhunderts - und zu den tragischsten: Von den Nazis wegen seiner jüdischen Ehefrau verfolgt, eckte er nach dem Zweiten Weltkrieg auch bei den kommunistischen Kulturfunktionären an, die ihm zeitweilig Aufführungsverbot erteilten. Seine Passacaglia für großes Orchester "Mysterium der Zeit" entstand 1957 und ist eine Art musikalische Meditation über den Ursprung und den Untergang allen Seins.

Vor dem Untergang allen Seins, nämlich dem Zweiten Weltkrieg, floh 1939 wiederum der überzeugte Pazifist Benjamin Britten. In den USA fand er zeitweilig ein Refugium und hier entstand auch sein Violinkonzert, das unter anderem inspiriert wurde von einer Passacaglia aus Dmitri Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk". Schostakowitschs Erste Sinfonie war wiederum eine Examensarbeit, die im Mai 1926 im Leningrader Konservatorium uraufgeführt wurde - und dem gerade mal 19jährigen bereits internationale Anerkennung bescherte.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 25.02.2022, 20:04 Uhr.