"O du lieber Augustin" - ein Volkslied in einem Streichquartett? Arnold Schönberg macht’s möglich. Werke von ihm und Max Bruch hatte das Zemlinsky Quartett zu seinem Konzert beim Festival für Geistliche Musik im tschechischen Olmütz mitgebracht.

Markéta Cukrová, Mezzosopran
Zemlinsky-Quartett
und
Marie Hasoňová, Violine
Štěpán Ježek, Violine
Jiří Pinkas, Viola
Petr Vašinka, Kontrabass

Schönberg: 2. Streichquartett fis-Moll op. 10 "Mit Sopran-Solo"
Bruch: Streichoktett B-Dur

(Aufnahme vom 10. Oktober 2021 aus dem Erzbischöflichen Palast Olmütz)

"Gesangs-Quartett" - so könnte man Schönbergs Opus 10 bezeichnen. Denn hier kombiniert er das klassische Streichquartett mit einer Frauenstimme. Entstanden ist das Werk 1907 in einer Krisenzeit: Schönbergs Frau Mathilde hatte eine Affäre mit dem Maler Richard Gerstl begonnen, der in dem Haus der Schönbergs ein Atelier hatte. Es kam zur Flucht des Paares, dann zum Bruch und zur reumütigen Rückkehr Mathildes, in deren Folge sich Gerstl schließlich das Leben nahm. Dass Schönberg im Trio seines zweiten Quartetts das Volkslied "O du lieber Augustin, alles ist hin" herbeizitiert, kommt also wohl nicht von ungefähr. Zudem verwendet er die Gedichte "Litanei" und "Entrückung" von Stefan George. Musikalisch schlägt Schönberg bereits neue Wege ein - hin zu einer atonalen, expressionistischen Klangsprache.

Ganz anders Max Bruch, der 1920 in seinem Oktett für Streicher wieder romantische Geister heraufbeschwört - vielleicht ein Grund dafür, dass das Werk erst 76 Jahre nach seinem Tod gedruckt worden ist. Denn erst 1986 tauchte es bei einer New Yorker Autographenversteigerung wieder auf - und erst 1999 wurde es erstmals auf CD eingespielt. Wie gemacht also für das tschechische Zemlinsky Quartett, das gern solche Schattengewächse aufspürt - und sich für die Oktett-Besetzung unter seinen Landsleuten Verstärkung holte.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 27.06.2022, 20:04 Uhr.