Star-Cellistin Sol Gabetta und der junge polnische Dirigent Krzysztof Urbański sind beim hr-Sinfonieorchester zu Gast mit Werken von Elgar, Kilar und Lutosławski. Die 1965er-Aufnahme des Elgar-Cellokonzerts durch die junge Jacqueline du Pré gelang derart überwältigend, dass der große russische Cellist Mstislaw Rostropowitsch postulierte: "Ich spiele nie wieder das Elgar-Cellokonzert. Es gehört dieser Frau." Gilt das noch heute?

Sol Gabetta, Violoncello
Leitung: Krzysztof Urbański

Wojciech Kilar: Orawa
Elgar: Cellokonzert e-Moll op. 85
Lutosławski: Konzert für Orchester

(Übertragung aus dem Großen Saal)

45 Jahre später nahm die Cellistin Sol Gabetta, damals etwa gleichalt wie Jacqueline du Pré, dieses so singuläre Solokonzert auf und schuf damit zumindest eine echte Alternative. Sie spielt diese so melancholische, innig-intensive Abschiedsmusik ganz anders - gefasster, detailgenauer, nachdenklicher. "Jacqueline du Pré hat viel mehr losgelassen in alle möglichen Richtungen, und ich bin kontrollierter", sagt Sol Gabetta selbst.

Wie hart der Schnitt dann, wenn der späte Elgar auf den frühen Lutosławski trifft! Sein "Konzert für Orchester" aus den 1950er-Jahren, das Meisterwerk des polnischen Neoklassizismus, ist so vehement kraftvoll und strotzt vor Energie. Was der Pauker mit einem manisch geschlagenen Fis über 38 Takte beginnt, endet in einem zur puren Apotheose gesteigerten Choral in einem reinen Fis-Klang im fortissimo. Dazwischen eine ungewöhnlich schwirrende Nachtmusik, eine heftige Trompeten-Aria und eine Passacaglia auf einer Harfen-Kontrabass-Basis - ein virtuoses Konzert für das ganze Orchester eben.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 19.11.2021, 20:04 Uhr.