Um den venezianischen Komponisten Luigi Nono lagern sich in diesem Konzert die Orchesterstücke an: von seinem posthumen Schwiegervater Arnold Schönberg sowie von seinen Schülern Helmut Lachenmann und Nicolaus A. Huber. Hinzu kommt seit langem mal wieder ein Orchesterwerk des Elektronikers Maximillian Marcoll.

hr-Sinfonieorchester
Leitung: Baldur Brönnimann

Helmut Lachenmann (*1935): "Kontrakadenz" (1970/71) für Orchester
Maximilian Marcoll (*1981): "NUT | LAC" (2021) für Orchester
Nicolaus A. Huber (*1939): "Lockdown - Basket Music" (2021) für Orchester und Zuspielungen
Arnold Schönberg (1874-1951): Variationen für Orchester op. 31 (1926-28)

(Aufnahme vom 30. Oktober 2021 aus der Philharmonie Essen)

Musik hat gesellschaftliche Kraft, mitunter gar Sprengkraft. Da lösen Arnold Schönbergs 1928 in Berlin unter Wilhelm Furtwängler uraufgeführten "Orchester-Variationen" einen kleinen Skandal aus - eine Publikumshälfte pfeift, die andere applaudiert. Und nicht jede und jeder mag die anregenden Werke der Nono-Schüler Huber und Lachenmann, der zu seiner zersplitterten "Kontrakadenz" bemerkt: "Was klingt, klingt nicht um seiner Klanglichkeit willen, sondern signalisiert den konkreten Umsatz der Energien bei den Aktionen der Musiker und macht die mechanischen Bedingungen und Widerstände spürbar, hörbar, ahnbar, mit denen diese Aktionen verbunden sind."

Und der in Essen lebende Nicolaus A. Huber erinnert in seinem aktuellen, in Covid-Zeiten geschriebenen Orchesterstück "Lockdown - Basket Music" an Venedig, an den dortigen Karneval, an die Vogel-Pestmaske, an Monteverdi, an Vielfalt und auch an Brutalität. Maximilian Marcoll lässt andere Komponisten aufscheinen, darunter mit Luciano Berio, Franco Donatoni und Palestrina auch italienische, zugleich schimmert Lady Gaga aus den feinen bis groben Pulsationen hervor.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 28.04.2022, 20:04 Uhr.