Sie zählt zu den politisch engagierten Pianistinnen unserer Tage: Die Venezolanerin Gabriela Montero macht aus ihrer Kritik an der Regierung in ihrer Heimat keinen hehl - und lebt schon lange im Exil. Passend also, dass sie Werke von Prokofjew, Strawinsky und Rachmaninow ins Rheingau mitbrachte, die ihrer russischen Heimat nach der Oktoberrevolution 1917 zeitweilig oder für immer den Rücken kehrten.

Gabriela Montero, Klavier

Prokofjew: Fünf Sarkasmen op. 17
Prokofjew: 2. Klaviersonate d-Moll op. 14
Rachmaninow: 2. Klaviersonate b-Moll op. 36
Strawinsky: Klaviersonate
Gabriela Montero: Improvisationen

(Aufnahme vom 1. Juli 2021 aus dem Fürst von Metternich-Konzert-Kubus Schloss Johannisberg)

Die Idee, Prokofjew, Strawinsky und Rachmaninow in einem Programm zu vereinen, kam Gabriela Montero durch den Film-Klassiker "The Immigrant" von Charlie Chaplin. Über dessen Filmmusik hatte sie in einem ihrer Projekte improvisiert. Prokofjew, Strawinsky und Rachmaninow kannten Chaplin - und sie alle waren Emigranten, die zumindest zeitweilig in den USA lebten. "Nach Westen" war dann auch das Programm übertitelt, das Gabriela Montero für ihren Klavierabend beim Rheingau-Musik-Festival vorbereitet hatte.

Die Venezolanerin hat sich nicht nur als Pianistin weltweit einen Namen gemacht, sondern auch als Komponistin - und versteht sich hervorragend aufs Improvisieren. Kein Konzert, in dem sie nicht Melodievorschläge von ihrem Publikum aufgreift und ad hoc in stilistisch vielfältige Improvisationen verarbeitet. So auch auf Schloss Johannisberg, wo sie unter anderem das Volkslied "Die Lorelei" in neuartige Töne setzte.

Anschließend:
Joh. Chr. Bach: Violinkonzert C-Dur C 76 (Mirijam Contzen / hr-Sinfonieorchester / Reinhard Goebel)

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 24.04.2022, 20:04 Uhr.