Im Auftrag des Hessischen Rundfunks schrieb Christian Ofenbauer (*1961), Kompositionslehrer am Salzburger Mozarteum, in den Jahren 1997/98 "Zwei Frankfurter Préludien".

Christian Ofenbauer (*1961): "Zwei Frankfurter Préludien" (1997/98)
hr-Sinfonieorchester
Dirigent: Arturo Tamayo
(Aufnahme: hr-Sendesaal, Frankfurt am Main, 19. November 1999)

Fünfter Streichquartettsatz (2011)
Arditti Quartet
(Aufnahme: Orchesterhaus, Freiburg i.Br., Juni 2013)

Beide Préludien tragen denselben poetischen Titel: "Zwei Kraniche und Wolken". Das zweite Prélude, das mit 50 Minuten um ein Vielfaches länger als das erste von etwa 90 Sekunden Dauer ist, hat noch den Zusatz "Double", dehnt und fächert gegenläufig das auf, was in Nummer 1 gerade prägnant geendet ist: eine Hülle und Fülle vertikaler Klangschichtung.

Mit dem Untertitel "Zwei Kraniche und Wolken" der "Zwei Frankfurter Préludien" bezieht sich Ofenbauer auf eine Szene in Dantes "Göttlicher Komödie" und einem lyrischen Kommentar dazu von Bertolt Brecht. Zwei Liebende, beim Ehebruch vom Ehemann erwischt und ermordet, sind verdammt zu ewiger Liebe, deren Erinnerung ans vergangene Glück schlimme Qualen bereitet, denn es gibt keine Ruh, nur Rastlosigkeit. Weil, so Brecht, die Wolken sich aber im gleichen Tempo bewegen wie die Kraniche, entsteht inmitten der Bewegung ein temporärer Stillstand: "So scheint die Liebe Liebenden ein Halt."

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 20.01.2022, 20:04 Uhr.