Der katalanische Komponist und Kosmopolit Roberto Gerhard (1896-1970), nahezu in Vergessenheit geraten, entwickelte auf der Grundlage von Tradition und Moderne eine ganz eigene Musiksprache. Aber seine Position zwischen den ästhetischen Stühlen hat die Rezeption seines facettenreichen Oeuvres erschwert.

Als Roberto Gerhard sich 1923 um einen Platz in Arnold Schönbergs Meisterklasse in Wien bewarb, gehörte er bereits zu den etablierten Protagonisten der spanischen Moderne. Die strenge Schule Schönbergs, dem er 1925 nach Berlin folgte, verhalf ihm zu einer dialektischen Methode des Ausbalancierens von struktureller Disziplin und kreativer Freiheit. Aufgrund seiner herausragenden Stellung im katalanischen Kulturleben der 1930er Jahre nach der Machtübernahme Francos zur Emigration gezwungen, lebte und arbeitete er von 1939 bis zu seinem Tod in Cambridge. Nach einer Zeit der Isolation erreichte er ab Mitte der 1950er Jahre weltweite Anerkennung mit Werken prononciert avantgardistischen Charakters, in denen er - in kritischer Distanz zu Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez - serielle Ansätze weiterentwickelte. Gerhard, Pionier auch der elektronischen Musik in England, stellte den Bruch mit der Tradition, den die europäische Nachkriegs-Avantgarde forderte, zeitlebens in Frage.

Sendung: hr2-kultur, "Neue Musik", 03.06.2021, 22:00 Uhr.

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