Am 10. Oktober 2021 ist der in Bilbao geborene Komponist Luis de Pablo im Alter von 91 Jahren in Madrid gestorben. Ohne ihn, der 2020 von der Musikbiennale Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, hätte Spanien kaum den Anschluss an die musikalische Moderne geschafft. Jedenfalls wohl nicht so zeitig.

Eine zweiteilige Sendung von Frank Harders-Wuthenow

Mit ihm fing alles an. In den finsteren Zeiten des Franquismo, als Militär und Kirche die ästhetischen Diskurse in Spanien bestimmten, schuf der 1930 in Bilbao geborene Luis de Pablo die institutionellen Grundlagen für die Entstehung, Verbreitung und Förderung der Neuen Musik auf der iberischen Halbinsel. Seine Karriere als Komponist begann in Darmstadt und Donaueschingen. Von Pierre Boulez und Bruno Maderna gefördert, schuf er in den 1960er Jahren etliche Werke, mit denen sich das um Jahrzehnte zurückgebliebene Spanien plötzlich in der ersten Reihe der europäischen Avantgarde platzieren konnte. De Pablos Schaffenskraft war bis zuletzt ungebrochen. Sein faszinierendes, alle Gattungen von der elektronischen Musik bis zur Oper umfassendes Oeuvre ist geprägt von der Idee der Kontinuität und der Suche nach einer die Abgründe und Widersprüche des Lebens nicht verleugnenden Schönheit in der Kunst.

 Sendung: hr2-kultur, "Neue Musik", 04.11.2021, 21:30 Uhr.