Wolfgang Rihms Poème dansé "Tutuguri" nach Antonin Artaud ist mehr als ein illustriertes Tanztheater: Es ist die Neugewinnung des Rituellen durch Musik.

Die 1970er Jahre: Die Technokratie der Musik gerät durch die serielle Methode in eine Sackgasse, die utopischen Hoffnungen der elektronischen Musik bleiben unerfüllt, der Zufall verfällt zur postmodernen Beliebigkeit. Aus diesem Dilemma suchen Komponisten einen Ausweg der musikalischen Authentizität durch die Verbindung von Ritual, Musik und Theater. Anfang der 1980er Jahre realisiert der Komponist Wolfgang Rihm (*1952) mit seinem "Tutuguri", einem "Poème dansé", ein eruptiv bis gewalttätiges Tanz- und Orchesterritual, das auf Schriften des französischen Surrealisten Antonin Artaud beruht. Dieser unternahm 1936 eine Reise zu den mexikanischen Tarahumara-Indianern, deren Eindrücke er in Notizen, Berichten, Gedichten und einem Hörspiel verarbeitete. Wolfgang Rihm "vertont" diese Texte nicht, sondern schafft tönende Zuordnungen zwischen einem organischen Musikstrom und literarischer Assoziation.

Sendung: hr2-kultur, "Neue Musik", 19.11.2020, 21:30 Uhr.

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