Es hat lange gedauert. Zu Lebzeiten hatte kaum ein Komponist Interesse an seinen Texten: den Gedichten, dem Roman, den Dramenfragmenten, den Übersetzungen. Das ändert sich im 20. Jahrhundert rasant.

Ernst Krenek (1900-1991): Die Jahreszeiten op. 35 (Vier kleine Chöre a cappella) (1925)
Chor des Hessischen Rundfunks
Leitung: Edmund von Michnay
(Studioproduktion des Hessischen Rundfunks, Frankfurt am Main, hr-Sendesaal, 4. Juni 1958)

Viktor Ullmann (1898-1944): "Abendphantasie" für Singstimme und Klavier (1943)
Mitsuko Shjirai, Mezzosopran
Hartmut Höll, Klavier
(Studioproduktion im Tonstudio van Geest. Heidelberg, Mai 2001)

Wolfgang Fortner (1907-1987): "Prélude und Elegie", Parergon zu den "Impromptus". Zum Gedächtnis von Max Egon zu Fürstenberg nach Worten von Friedrich Hölderlin für großes Orchester (1958/59)
Eva Maria Rogner, Sopran
SWF-Sinfonieorchester Baden-Baden
Leitung: Pierre Boulez
(Konzertaufzeichnung der Uraufführung am 18. Oktober 1959 durch den Südwestrundfunk bei den Donaueschinger Musiktagen)

Wolfgang Rihm (*1952): "Hölderlin-Fragmente", 2. Fassung für Singstimme und Orchester (1977)
Johannes M. Kösters, Bariton
Berliner Philharmoniker
Leitung: Claudio Abbado
(Aufnahme aus der Philharmonie Berlin, Februar 1993)

György Ligeti (1923-2006): "Drei Fantasien nach Friedrich Hölderlin" für 16-stimmigen gemischten Chor a cappella (1982)
RIAS Kammerchor
Leitung: Hans-Christoph Rademann
(Konzertaufzeichnung vom 16. Oktober 2014 im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin)

György Kurtág (*1926): "Hölderlin-Gesänge" op. 35a für Bariton solo (mit Posaune und Tuba in Gesang 3) (1993-97)
Martin Bruns, Bariton
Olaf Ott, Posaune
Sebastian Wagemann, Tuba
(Konzertaufzeichnung vom "Festival für György Kurtág" am 11./12. Dezember 2015, Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin durch Deutschlandfunk Kultur)

Friedrich Cerha (*1926): "Vier Hölderlin-Fragmente", Madrigale für gemischten Chor a cappella (1996)
SWR Vokalensemble Stuttgart
Leitung: Marcus Creed
(Konzertaufzeichnung vom 9. April 2017, Alte Aula, Heidelberg)

Kaija Saariaho (*1952): "Die Aussicht", Fassung für Sopran, Flöte, Violoncello und Klavier (1998)
Rita Balta, Sopran
Scharoun-Ensemble und Gäste
Leitung: Vykintas Baltakas
(Konzertaufzeichnung vom 21. Januar 2007 im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin durch Rundfunk Berlin-Brandenburg)


Mittlerweile gehören die Dichtungen von Friedrich Hölderlin (1770-1843) zu jenen, die in Hülle und Fülle vertont worden sind und weiterhin sonore Impulse evozieren. Vor allem im deutschsprachigen Raum. Aber auch italienische Komponisten wie Luigi Nono oder Bruno Maderna – beide sprachen deutsch – haben sich der rätselhaften, oft fragmentarischen Lyrik Hölderlins bzw. dem revolutionären Briefroman "Hyperion" zugewandt. Ohne Hölderlin wäre nicht nur die Literaturgeschichte ärmer, sondern zugleich die Musikgeschichte, die sich ohne den "Fremdling im eigenen Haus", wie er sich einmal selbst skizzierte, seit den 1970er Jahren zweifellos anders entwickelt hätte. Hölderlins Denken und Fühlen in Sprache hat einige musikalische Innovationen und neue ästhetische Perspektiven initiiert. Eine (letztlich nur kleine) Auswahl mit bekannten und weniger vertrauten Klangsichten auf Hölderlin stellen wir Ihnen in diesem hr2-Konzertsaal vor.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 19.11.2020, 20:04 Uhr.

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