Viel "russische Seele" schlug in ihrer Brust, als der Choeur und das Orchestre de Paris Werke von unter anderem Rachmaninow, Rimskij-Korsakow und Schostakowitsch anstimmten. Dabei bekamen sie seelenvolle Unterstützung von den Gesangssolisten Sabine Devieilhe und Yu Shao.

Sabine Devieilhe, Sopran
Yu Shao, Tenor
Chœur de l'Orchestre de Paris
Orchestre de Paris
Leitung: Lorenzo Viotti

Rachmaninow: "Kommt, lasst uns anbeten" aus der Vespermesse op. 37
Rimskij-Korsakow: "Die Rose und die Nachtigall" - Orientalische Romanze für Singstimme und Orchester op. 2 Nr. 2
Rachmaninow: "Sei gegrüßt, Jungfrau. Ave Maria" aus der Vespermesse op. 37
Rachmaninow: Zdes' Khorosho (Hier ist es schön) - Romanze op. 21 Nr. 7
Rachmaninow: Vocalise für Singstimme und Orchester
Nicolas Kedroff: Pater Noster
Schnittke: Konzert für Chor, 4. Satz
Schostakowitsch: 10. Sinfonie e-Moll op. 93

(Aufnahme vom 11. Juni 2021 aus der Philharmonie in Paris)

Weltliche Romantik trifft auf religiöse Gefühle - und auf einen Befreiungsschlag. Romantisch-exotischen Orchester-Liedern von Nikolai Rimskij-Korsakow werden Sätzen aus Sergej Rachmaninows Vespermesse gegenübergestellt, die er 1915, inmitten der Weltkriegs-Wirren, komponiert hat. Auch Alfred Schnittke vertont in seinem "Konzert für Chor" 1985 religiöse Texte - nämlich Gebete des armenischen Mönchs Gregor von Narek.
Höhepunkt des "russischen" Konzerts ist die zehnte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch - ein musikalischer Befreiungsschlag. Und eine Abrechnung mit seinem langjährigen Unterdrücker und Seelenpeiniger Josef Stalin. Bei dem sowjetischen Diktator war Schostakowitsch 1936 mit seiner Oper "Lady Macbeth von Mzensk" in Ungnade gefallen - und hatte schließlich sogar seine Lehrämter verloren. Zwar konnte sich Schostakowitsch mit seiner fünften Symphonie wieder rehabilitieren - aber die Angst vor den berüchtigten "antiformalistischen" Säuberungen unter Stalin blieb. Erst nach dem Tod des Tyrannen 1953 konnte Schostakowitsch wieder aufatmen.

Anschließend:
Ravel: Gaspard de la nuit (Pierre-Laurent Aimard, Klavier)
Guillaume de Machaut: "La messe de Notre dame" (The Hilliard Ensemble)

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 20.09.2021, 20:04 Uhr.