Eine Formulierung des französischen Schriftstellers Pierre Garnier (1928-2014) prägte das Denken des Komponisten Paul-Heinz Dittrich: "nie vollendbare poetische Anstrengung". Ein Gedanke, der wohl die Quintessenz einer jeden Künstlerexistenz bildet. Das Gros der Ideen und Konzepte bleibt ja meist im Kopf, nimmt keine Kunstgestalt an - die Zeit ist einfach, so oder so, zu knapp.


Paul-Heinz Dittrich (1930-2020):

"Vocalblätter" (1972) für Sopran, Flöte, Oboe und zwölf Vokalisten nach Texten von Bert Brecht, Johann Wolfgang Goethe und James Joyce sowie aus dem Alten Testament
Gisela Evers, Sopran
Aurèle Nicolet, Flöte
Heinz Holliger, Oboe
Schola Cantorum Stuttgart
Dirigent: Clytus Gottwald
(Aufnahme: 2. Juli 1973 in Köln)

"Voix Intérieure" (1979) für zwei Violoncelli
Michael Bach, Violoncello
Biruta Alle, Violoncello
(Aufnahme: 15. Februar 1982 in Frankfurt am Main, Studioproduktion des Hessischen Rundfunks)

"Sa-um" (2000). Dialogue imaginary für Flöte und Live-Elektronik
Martin Fahlenbock, Flöte
Experimentalstudio des Südwestrundfunks, Freiburg
Klangregie: Michael Acker und Michael Silberhorn
(Live-Aufnahme: 13. April 2002 in Rottenburg durch den Südwestrundfunk)

"Trans-Forme" Orchestermusik in fünf Teilen (1998-2007)
Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Dirigent: Johannes Kalitzke
(Live-Aufnahme der Uraufführung am 4. Juni 2010 in München im Rahmen der Konzertreihe "musica viva" des Bayerischen Rundfunks)

Der im Erzgebirge geborene Komponist Paul-Heinz Dittrich, Meisterschüler von Rudolf Wagner-Régeny in Ost-Berlin, war ein exquisiter Kenner der europäischen Prosa und Poesie und einer ihrer interessantesten "Übersetzer". Der in Zeuthen bei Berlin, lange Zeit als Nachbar von Paul Dessau, lebende Dittrich schuf zahlreiche komponierte "Lesarten" für die unterschiedlichsten Besetzungen: mit und ohne Stimme. Und je älter der Komponist wurde, desto essenzieller wurden die Texte anderer.

"Eigentlich", erzählte Dittrich vor einigen Jahren, "entsteht nichts mehr, ohne dass ich aus der Literatur meine Stimulanz bekomme. Ich lese unentwegt zwischen dem Notenschreiben immer wieder. Die Literatur ist für mich das A und O geworden. Ehe ich anfange, stehe ich vor meinem Bücherschrank und überlege, wie kommst du jetzt eigentlich rein in das, was du denkst und willst. Die musikalische Idee ist irgendwo da, aber dann kommen Überlegungen, die mich eben immer wieder zur Literatur führen."

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 15.04.2021, 20:04 Uhr.

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