Antoine Tamestit zum Bratschenkonzert von William Walton, Paavo Järvi zur zweiten Sinfonie von Franz Schmidt. Außerdem Musik von Schumann und Bloch.

Antoine Tamestit zum Bratschenkonzert von William Walton

Antoine Tamestit

William Walton war Ende Zwanzig, als er sein Bratschenkonzert komponierte. Die Bratsche erfreute sich damals einer Renaissance als Soloinstrument, zum großen Teil durch das Eintreten des englischen Bratschers Lionel Tertis; Walton schrieb dieses Konzert für Tertis. Bei der Uraufführung im Oktober 1929 unter der Leitung des Komponisten spielte allerdings Paul Hindemith den Solopart bei einem der Londoner Promenade Concerts. Tertis hatte sich geweigert, das Stück zu spielen, er bezeichnete es als zu modern und nahezu unspielbar. Ein Jahr nach der Uraufführung hat er es dann doch gespielt – und dann sogar ziemlich häufig.

Was Edward Elgar mit seinem Cellokonzert gelang, glückte seinem Landsmann William Walton mit dem Bratschenkonzert: Im 20. Jahrhundert ein Solokonzert zu schreiben, das zum absoluten Maßstab für das jeweilige Instrument wurde. Waltons Bratschenkonzert ist ein sehr romantisches Stück, melancholisch, sehr emotional, sehr kantabel, es hat intensive Klangfarben und viele Farbwechsel.

Paavo Järvi zur zweiten Sinfonie von Franz Schmidt

Paavo Järvi

Franz Schmidt war ein Spätromantiker aus Niederösterreich, dessen Ruhm sich vornehmlich auf seine Heimat beschränkte. Spätromantiker heißt: Schmidt lebte von 1874 bis 1939 – oder anschaulicher: er war Zeitgenosse von Max Reger, Gustav Mahler und Arnold Schönberg, deren Zeitgenossenschaft man sehr deutlich aus seiner Musik heraushört. Und Schmidt war Zeitzeuge von Nazi-Deutschland, was ihm aufgrund seiner indifferenten, naiven Haltung den Ruf einbrachte, "vorbelastet" zu sein. Paavo Järvi hat mit dem hr-Sinfonieorchester alle Sinfonien von Franz Schmidt aufgenommen – und sich im Gespräch mit Natascha Pflaumbaum auch zu diesem Vorwurf geäußert.

Die Musiken

Weber Aufforderung zum Tanz op. 65 (Andreas Delfs)
Schumann Konzertstück G-Dur op. 92 (Ronald Brautigam, Klavier / Marcello Viotti)
Walton Bratschenkonzert (Antoine Tamestit / Manfred Honeck)
Bloch Prayer aus "From Jewish life" (Sol Gabetta / Leonard Slatkin)
Schmidt 2. Sinfonie Es-Dur (Paavo Järvi)
Sibelius Valse triste op. 44 Nr. 1 (Paavo Järvi)

Sendung: hr2-kultur, "Treffpunkt hr-Sinfonieorchester", 20.03.2021, 10:04 Uhr.

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