Mit Musik von Tschaikowksy, zwei Aufnahmen aus der letzten Woche mit François Leleux und L’Ascension von Olivier Messiaen.

Das Violinkonzert von Peter Tschaikowsky

Arabella Steinbacher

Tschaikowsky setzt in seinem Violinkonzert ganz auf die Melodik der singenden Geige, die in der sinfonischen Klangfülle aufgeht. Im Vordergrund steht der musikalische Augenblick in seinem klanglichen und melodischen Zauber. Der Solopart ist einerseits klanglich mit dem Sinfonieorchester verschmolzen, andererseits auch ausgesprochen brillant: alle Register des virtuosen Violinspiels werden gezogen, mit Doppelgriffen, rasenden Läufen, Sprüngen, Trillerketten und gezupften Zwischentönen. Eine Herausforderung für jeden Interpreten.

Die "Petite Suite" von Claude Debussy

Zeitgenössisches Porträt des französischen Komponisten Claude Debussy (1861-1918)

Seine "Petite Suite" hat Debussy für Klavier vierhändig komponiert, im Jahr 1889. Damals war Debussy während der Semesterferien als Hauslehrer der Kinder der Familie Meck angestellt. Zu den Pflichten des jungen Hauslehrers gehörte es auch, mit der Dame des Hauses vierhändig Klavier zu spielen – die Petite Suite ist Produkt dieses vierhändigen Musizierens mit Reverenzen an alle großen französischen Komponisten der damaligen Zeit: Fauré, Bizet, Massenet und Chabrier. Diese Klaviersuite hat wenig Aufsehen erregt. Erst als Debussys Kollege Henri Büsser 1907 eine Orchestertranskription herausbrachte, hat man auch die Petite Suite ins Repertoire aufgenommen.

Die "Pulcinella-Suite" von Igor Strawinsky

Igor Strawinsky

Aus seinem abendfüllenden Ballett "Pulcinella" hat Igor Strawinsky zwei Jahre nach der Uraufführung eine Suite ausgekoppelt, die gerne in Konzerten gespielt wird: die Pulcinella-Suite. Strawinsky hat die ersten und letzten Sätze aus dem Ballett genommen, die Singstimmen, die das Original vorsah, gestrichen und so eine Konzertmusik geschrieben, die das eigentliche Ballett nahezu völlig verdrängt hat.

"L’Ascension" – "Die Himmelfahrt" von Olivier Messiaen

Olivier Messiaen

"L’Ascension" ist Messiaens zweite größere Orchesterkomposition. Er hat sie mit dem Untertitel "vier sinfonische Meditationen für Orchester" versehen. Das Werk entstand 1933 – Messiaen war gerade 25 Jahre alt –, und er hat damit spirituelles und kompositorisches Neuland betreten.

Die Himmelfahrt Christi war bis dahin lediglich im liturgischen Bereich ein Thema. Messiaen stellt sich mit seinen Meditationen außerhalb jeder Tradition – auch mit dem eigens für das Stück entworfenen Tonsystem von sieben Tonskalen, die der Komponist „Modi“ nennt. Auch die Satzfolge ist ungewöhnlich. Es sind die langsamen Sätze, die jeweils außen stehen. Sie umrahmen die lebhafteren Mittelsätze. Jede der Meditationen besitzt ein eigenes Klangbild, erstrahlt in einem jeweils eigenen Licht.

Anregungen für sein musikalisches Werk schöpfte Olivier Messiaen aus dem Studium der Zahlenmystik, indischer Rhythmen, der Gregorianik, der Klangwelt javanischer Gamelan-Orchester sowie der Musik von Debussy und Strawinsky. Den wichtigsten Einfluss aber hatte das Studium der Vogelstimmen, die Messiaen in der ganzen Welt sammelte, in eine schriftliche Form brachte und sie schließlich in seine Musik einbaute. Auch im zweiten Satz von "L’Ascension" fanden sie ihren Niederschlag.

Die Musiken

Brahms Ungarischer Tanz Nr. 17 (Hugh Wolff)
Tschaikowsky Violinkonzert D-Dur op. 35 (Arabella Steinbacher / Yakov Kreizberg)
Debussy Petite Suite (François Leleux)
Strawinsky Pulcinella-Suite (François Leleux)
Messiaen L'Ascension (Paavo Järvi)
Fauré Pavane fis-Moll op. 50 (Steven Sloane)

Sendung: hr2-kultur, "Treffpunkt hr-Sinfonieorchester", 15.05.2021, 10:04 Uhr.

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