Wir schauen auf die hr-Sinfoniekonzerte am 9. und 10. Dezember. Dazu gibt's Musik von Neruda, Mozart, Copland und Bach.

Die hr-Sinfoniekonzerte mit Baiba Skride und Alain Altinoglu

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Das Konzert live im Radio

hr2-kultur überträgt das Konzert am 10. Dezember live ab 20:04 Uhr.

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Baiba Skride

Chefdirigent Alain Altinoglu schreibt am 9. und 10. Dezember in der Alten Oper Frankfurt die Mahler-Tradition des hr-Sinfonieorchesters fort. Bei seiner Frankfurter Mahler-Premiere liegt die erste Sinfonie auf dem Dirigentenpult. Zuvor gibt der versierte Opern-Experte eine Kostprobe seiner Wagner-Interpretationen mit dem Vorspiel zu „Lohengrin“. Die lettische Geigerin Baiba Skride ist zu Gast, um das dritte Violinkonzert von Sofia Gubaidulina aufzuführen, die vor wenigen Wochen erst ihren 90. Geburtstag gefeiert hat.

Die Komponistin Sofia Gubaidulina

Auf die Frage, für wen sie eigentlich komponiere, hat Sofia Gubaidulina einmal geantwortet: "Für Gott. Auch für das Publikum, aber in erster Linie für Gott." Ihr Komponieren sei stets eine Form von Beten, ein Zwiegespräch mit dem Allmächtigen, sagt die Grand Dame der Neuen Musik mit tatarischer Abstammung. Diesen Dialog trägt ihr drittes Violinkonzert, uraufgeführt 2018, auch im Titel: "Ich und Du". Eine Schrift des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber stand für diese Titelzeile Pate. Ich und Du, die Violine und das Orchester: Man erlebt einen Gedankenaustausch der musikalischen Protagonisten, ein sich Verdichten, letztlich aber wieder Entfremden.

Ein mythologisches Göttergeschlecht gab der ersten Sinfonie von Gustav Mahler seinen populären Beinamen "Der Titan". "Wie ein Naturlaut" beginnt sie, mit naturhaft-ungeformtem Klangmaterial, die Klarinette lässt einen falschen Kuckucksruf hören, der Solo-Kontrabass stimmt die nach Moll verdrehte Melodie von "Bruder Jakob, schläfst du noch?" an. "Mit Parodie", schreibt Mahler, fast überflüssigerweise. "Es ist einfach der Aufschrei eines im Tiefsten verwundeten Herzens", so Gustav Mahler dann über den nahtlos anschließenden Finalsatz. Und an den Dirigenten Bruno Walter schrieb er 1909: "Der Trauermarsch und der darauf ausbrechende Sturm scheinen mir wie eine brennende Anklage an den Schöpfer - nur während des Dirigierens! Nachher ist alles gleich ausgewischt - sonst könnte man gar nicht weiterleben."

Die Musiken

Schmidt Intermezzo aus "Notre Dame" (Paavo Järvi)
Neruda Trompetenkonzert Es-Dur (Jürgen Ellensohn / Andrés Orozco-Estrada)
Mozart Klavierkonzert B-Dur KV 595 (Lars Vogt / Paavo Järvi)
Copland Klarinettenkonzert (Richard Stoltzman / Hugh Wolff)
Bach Magnificat D-Dur BWV 243 (Emöke Baráth und Lea Desandre, Sopran / Damien Guillon, Countertenor / Patrick Grahl, Tenor / Victor Sicard, Bass / Le Concert d'Astrée / Emmanuelle Haïm)
Nielsen Pan und Syrinx op. 49 (Thomas Dausgaard)

Sendung: hr2-kultur, "Treffpunkt hr-Sinfonieorchester", 04.12.2021, 10:04 Uhr.