Manches, was für den Fußball gilt, trifft ebenso auf die Klassik zu: nach Beethoven ist vor Beethoven. Und das auch dank einiger Neutöner wie Mauricio Kagel, die immer wieder neu die Tradition befragt haben: produktiv und provokant.

Mauricio Kagel (1931-2008)
"Heterophonie" für Orchester (1959/61)
hr-Sinfonieorchester
Leitung: Michael Gielen
(Aufnahme: Juni 1967, Studioproduktion des Hessischen Rundfunks)

"Ludwig van - Hommage von Beethoven" (1969).
Arrangement für das Ensemble Modern (2020): Hermann Kretzschmar
Ensemble Modern
Leitung: David Niemann
(Aufnahme: 15. Dezember 2020, "Happy New Ears"-Veranstaltung des Ensemble Modern im Dachsaal im Haus der Deutschen Ensemble Akademie Frankfurt am Main durch den Hessischen Rundfunk)

Drei Stücke aus "Rrrrrrrr…" (1981/82) für Chor und Klavier
(Requiem - Rex tremendae - Resurrexit Dominus)
Gunhilde Cramer-Reimold, Klavier
Südfunk-Chor Stuttgart
Leitung: Mauricio Kagel
(Aufnahme vom 8. September 1984 Alte Oper Frankfurt durch den Hessischen Rundfunk)

Étude Nr. 3 (1996) für großes Orchester
hr-Sinfonieorchester
Leitung: Paavo Järvi
(Aufnahme vom 4./5. September 2008 Alte Oper Frankfurt)

Der Komponist Mauricio Kagel (1931-2008) war ein leidenschaftlicher Viel- und Querbeetleser. Gerade Texte zur Musik, ob Komponistenbiografien oder musikwissenschaftliche Abhandlungen, faszinierten und inspirierten ihn: zu eignen musikalischen Kreationen. "Das Lesen über Musik war für mich zum unmittelbaren Komponieren vielleicht immer anregender als das Hören selbst." Kagel, der 1957 seine Heimatstadt Buenos Aires verließ, um - was er damals noch nicht wusste - dauerhaft in Köln zu bleiben, schätzte ein Musikbuch ganz besonders: Curt Sachs‘ "Reallexikon der Musikinstrumente" von 1913. Auch verschlang Kagel ganze Musiklexika. Seine Orchesterwerke "Heterophonie" und "Études", aber noch mehr die "Rrrrrrr…"-Stücke, die ein musikalisches, mit "R" beginnendes Fachwort aufgreifen und neu zu Klang werden lassen, basieren auf solchen analytischen Lektüren. Seine Beethoven-Hommage "Ludwig van" resultiert allerdings aus dem fleißigen Lesen der Partituren des Meisters - und zwar ausschließlich der Nebenstimmen.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal",11.02.2021, 20:04 Uhr.

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