1971 ändert sich in Sachen zeitgenössische Musik so einiges in Witten an der Ruhr. Der institutionell in Köln ansässige Westdeutsche Rundfunk (WDR) übernimmt nach einigen Jahren der Beratung die heute renommierten Wittener Tage für Neue Kammermusik.

Willy Giefer (1930-2020): "Pro - Kontra" (1970)
Ensemble "trial and error"
Leitung: Bojidar Dimov

Paul-Heinz Dittrich (1930-2020): "Begegnung" für neun Spieler (1970)
Ensemble "trial and error"
Leitung: Bojidar Dimov

Alfred Schnittke (1938-1998): "Serenade" (für fünf Musiker) (1968)
Ensemble Musiques Nouvelles Brüssel
Leitung: Pierre Bartholomée

Christian Wolff (* 1934): "Play" für variable Besetzung (1968)
Ensemble Neue Horizonte Bern

Roland Moser (*1943): "Heine-Lieder" (1971)
Jolando Rodio, Singstimme
Rudolf Jürgen Bartsch, Sprechstimme
Urs Peter Schneider, Klavier

Als "stille Opposition gegen kulturelle Willkür" gründet der in Witten wirkende Komponist, Pädagoge, Pianist und Dirigent Robert Ruthenfranz 1936 in der Stadt an der Ruhr ein Musikwochenende mit zeitgenössischen Werken. Doch ganz so oppositionell ist Programmgestaltung des Festivals, das inklusive 1943 nahezu jedes Jahr stattfindet, nicht. 1947 wiederbelebt Ruthenfranz sein Festival; allerdings erst ab 1960 haben die Musiktage einen jährlich wiederkehrenden Rhythmus.

1968 findet Ruthenfranz in Wilfried Brennecke, Kammermusikredakteur beim WDR, einen wichtigen Berater. Und Brennecke, der nach Ruthenfranz‘ Tod im November 1970 die künstlerische Leitung der Wittener Tage für Neue Kammermusik übernimmt, entwickelt das Festival zwischen 1971 und 1989 zu einem der Topspielorte Neuer Musik, den sein Nachfolger Harry Vogt weiter ausgebaut hat.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 25.11.2021, 20:04 Uhr.