Unvorstellbar: Ludwig van’s Klangkonzepte spielten in der Musik des 20./21. Jahrhunderts keine Rolle mehr. Dem ist ganz und gar nicht so. Nicht wenige der weitaus jüngeren Kolleg*innen arbeiten mit seinen Sounds - und sich an diesen ab.

Reiner Bredemeyer (1929-1995): "Bagatellen für B." (1970)
Walter Olbertz, Klavier
Großes Orchester des Deutschlandsenders
Robert Hanell, Leitung
(Aufnahme vom 7. September 1970, Studioproduktion Funkhaus Nalepastraße in Berlin durch den Rundfunk der DDR)

Dieter Schnebel (1930-2018): "Beethoven-Sinfonie" (1985) für Schlagzeug und Kammerensemble
hr-Sinfonieorchester
Zoltán Peskó, Leitung
(Live-Aufnahme vom 16. Juni 1989 im hr-Sendesaal Frankfurt am Main)

Ludwig van Beethoven (1770-1827) / Manuel Hidalgo (*1956): "Große Fuge" op. 133 (1825), bearbeitet für Orchester (1992)
WDR Sinfonieorchester Köln
Lothar Zagrosek, Leitung
(Aufnahme vom 10. März 2006 aus der Kölner Philharmonie)

Ludwig van Beethoven / Manuel Hidalgo: "Sechs Bagatellen" op. 126 (1823/24) als "Ciclus von Kleinigkeiten" (2009), bearbeitet für Streichorchester
Ensemble Resonanz
Juditha Haeberlin, Sologeige und Konzertmeisterin
(Aufnahme vom Juni 2009 aus dem WDR Funkhaus Köln)

Hans Zender (1936-2019): "33 Veränderungen über 33 Veränderungen" (2010/11) - Eine komponierte Interpretation von Beethovens Diabelli-Variationen
Ensemble Modern
Hans Zender, Leitung
(Aufnahme vom August 2012, hr-Studioproduktion im hr-Sendesaal, Frankfurt am Main)


Beethoven auf der Spur sein, vor allem dem anderen Beethoven. Das ist die Idee, die alle Werke in diesem Konzertsaal gemeinsam haben. Dieter Schnebels ohrenkundig skurrile, mithin parodistische "Beethoven-Sinfonie" will Ludwigs "unterschwellig brodelnden Gefühle" und den - oft überhörten - Humor herausstellen. Reiner Bredemeyer durchhört mit seiner Orchester-Miniatur, einem Mosaik aus Kleinigkeiten, "B"-Motive und "B"-Verlaufskurven neu - und rückwärts. Manuel Hidalgo projiziert die Beethoven’schen Opera 126 (für Klavier) und 133 (für Streichquartett) auf die orchestrale Leinwand, instrumentiert das Intime zum raumgreifenden Spektakulum. Und Hans Zender geht mit der von ihm entwickelten Methode der "komponierten Interpretation" noch einen Schritt weiter, wenn er die pianistischen Diabelli-Variationen nun mit einigen Ensemble-Zutaten verfremdet, um dann doch aus dem Schatten heraus das Klavieroriginal ertönen zu lassen: eine Wiedergeburt - per aspera ad astra.

Sendung: hr2-kultur, "Konzertsaal", 21.05.2020, 20:04 Uhr

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