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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Künstler Jeppe Hein in der Schirn Rotunde

Jette Hein

Die Coronakrise zwingt viele Menschen, sich mehr mit sich selbst zu beschäftigen. Doch sich zu fragen "Wie fühle ich mich, was macht die Krise mit mir?", das ist gar nicht so einfach. Der Künstler Jeppe Hein lädt Besucher der Schirn Rotunde spontan dazu ein.

Trotz Sommerhitze sieht man Besucherinnen und Besucher in der Rotunde der Schirn umherschlendern. Ab und zu halten manche inne, schauen auf die Wand. Darauf hat der dänische Künstler Jeppe Hein blaue Kreise gemalt. Dann zücken die Besucher selbst Pinsel und Farbe. 

Jeppe Hein lädt die Leute dazu ein, spontan an seinem Kunstprojekt teilzunehmen. Man sieht ihn am Rande der Rotunde vertieft in ein Gespräch mit einem Besucher. Die Leute kommen extra für das partizipative Kunstprojekt mit Hein. Thema: Today I Feel Like, Heute fühle ich mich… Ja, wie fühle ich mich eigentlich? 

"Für mich war es wichtig, zu zeigen: Was für Gefühle haben wir die letzte Zeit eigentlich gehabt und wie drücken wir das aus? Irgendwie muss man manchmal kommunizieren, wie es einem geht. Das war eine sehr große Herausforderung."

Nicht alle Gesichter tragen ein Lächeln

Jeppe Hein möchte, dass die Menschen in sich gehen, ihre Maske abnehmen und zeigen, was sie fühlen. Natürlich nur im metaphorischen Sinne. In der Schirn herrscht auch weiterhin Maskenpflicht. Das Zeigen geschieht in Form eines Gesichtes, das die Teilnehmer in vorgemalte Kreise pinseln. So entsteht eine Wolke von blauen Smileys, die sich über die Innenseite der Rotunde erstreckt. Aber nicht alle Gesichter tragen ein Lächeln. 

Pinsel und Farbe bekommt man, bevor man den Umgang der Rotunde betritt. Von nahem sieht man nun auch die breiten Pinselstriche, die mal runde, mal ovale Kreise formen. In einigen sind die Gefühle von Besuchern bereits visualisiert worden: Da sieht man Gesichter mit Mund-Nasen-Schutz, viele auch mit breitem Lächeln, einige Köpfe sehen sich sogar an. 

Weniger allein

Dann heißt es: Leeren Kreis aussuchen, In-sich-gehen, Fühlen, … Malen. "Man muss nicht Kunst studiert haben oder Künstler sein. Das ist ja auch so, dass die Leute sich trauen müssen. Viele Leute haben ja Bedenken und denken "Oh, ich kann nicht malen". Keiner wird bewerten, was die Leute hier machen, die sollen einfach herkommen und ihr Gefühl und ihre Malerei machen."

Selbst Jeppe Hein musste das In-sich-gehen erstmal lernen. 2009 hatte er ein Burnout und das hat auch die Themen seiner Kunst verändert. Seine Kunst ist für ihn eine Art Werkzeug zum Dialog und zur Kommunikation geworden. Er möchte die Menschen im Herzen erreichen, wie er es ausdrückt und nicht über ihre Gedanken. Die Erfahrungen zum Start des Projektes waren für ihn jedenfalls sehr positiv. 

Tatsächlich fühlt man sich weniger allein, wenn man die vielen Gesichter sieht, die Besucherinnen und Besucher dort hinterlassen haben, gerade weil es nicht ausschließlich lächelnde Smileys sind. Bleibt eigentlich nur noch die Frage an all jene, die heute am Projekt teilgenommen haben: Wie fühlen Sie sich? 

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 13.8.20, 9:20 Uhr

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