Nibelungenschänke: Dimitra und Sakis

Die Ferienzeit steht vor der Tür, der Urlaub wird für viele ein anderes Gesicht haben. Mediterrane Momente sind aber auf andere Weise herstellbar: Auf den Terrassen der vielen griechischen und italienischen Lokale bei uns, etwa auf der Gartenterrasse der Nibelungenschänke in Frankfurt.

Der Kontrast könnte ja besser nicht sein: Nach vorne hin liegt das Lokal am stark befahrenen Alleenring in Frankfurts Norden. Nach hinten aber, nachdem man einmal durch das Restaurant durchgegangen ist – das Idyll. Die Terrasse mit dem großen Ahornbaum im Zentrum und der flankierenden Mauer-Bepflanzung, Weinranken, Hortensien und Petunien. Es geht um Farben und Leben nach dieser Zeit. Das macht alles fröhlich

Dimitra, die Chefin des Hauses, hat mit Ihrem Mann Sakis die Corona-Unterbrechung genutzt, um die Terrasse des alteingesessenen griechischen Restaurants komplett zu sanieren, neue Fliesen gelegt, bequemeres Mobiliar gekauft, die Anzahl der Plätze verringert. Man sitzt nun komfortabler und vor allem "coronagerecht".

Die Küche hält weiter das Versprechen, mit dem Sakis vor über 40 Jahren schon angetreten war, nämlich echte griechische Küche zuzubereiten, die nichts mit Gyros und Souvlaki zu tun hat. Sakis und Dimitra nutzen das gesamte reiche Repertoire dessen, was griechische Küche anzubieten hat. Und das ist, so erklärt es Dimitra, zu einem guten Teil der griechischen Fastenküche geschuldet. Eben weil die Fastenzeit in Griechenland so lange dauert:

"Die Fastenzeiten sind ungefähr vier Monate im Jahr. 6 Wochen vor Weihnachten, 8 Wochen vor Ostern, dann vom 1. -15. August und dann noch Mittwoch und Freitag. Und was heißt das? Griechische Küche ist vegan: Paprika und Tomaten gefüllt mit Reis und Kräutern, Zucchiniblüten, Bohnen mit viel Dill, ganz viel Petersilie, Artischockenherzen mit Kartoffeln und Erbsen!"

Und jetzt gesellen sich die Gerichte mit Weinblättern hinzu, eine besondere Note dabei, sie kommen direkt von der eigenen Terrasse und man darf, wenn man da zufällig an dieser Mauerseite sitzt, ruhig auch einmal ein Weinblatt abpflücken und kosten – es schmeckt köstlich wie Sauerampfer. Weinblätter werden mit Reis und Knoblauch gefüllt und mit Reis, Olivenöl und Zitrone gegessen.

Fleischgerichte kommen aber selbstverständlich auch dazu, Gebratenes, Geschmortes, wie die Lammhaxe und auch das hat einen historischen Hintergrund:

"Die Küche ist entstanden vor ganz vielen Jahren, wo die Frauen genauso viel gearbeitet haben wie die Männer. Die Frauen haben deshalb morgens den Holzofen heiß gemacht und Fleisch hineingeschoben. In einem Tontopf und nachmittags, wenn sie zurückgekommen ist, war das Fleisch noch warm und es war durch."

Und genau diese Geschichte und Geschichten bilden sich in der Küche in der Nibelungenschänke ab. Es gibt immer diese Basis, wofür auch die Hausspezialität Bifteki steht, das außergewöhnlich luftige Hacksteak gefüllt mit Minze und Schafskäse (Hier geht es zum Rezept).

Ergänzt von immer wieder anderen Fundstücken aus alten Kochbüchern, wie einen delikaten salzig-sauren Joghurt oder überhaupt die Verwendung von dem, was man in Griechenland Horta nennt: Gräser, Halme, Blüten, Blätter:

"Das wird alles verarbeitet, wie die Blätter von den Radieschen für den Salat, roh, so wie sie sind. Bei uns sind das alles ganz normale Speisen Es wird, selbst wenn Fleisch serviert wird, daher stets eine leichte griechische Küche sein, die man in der Nibelungenschänke bekommt."

Bereichert von den eigenen Weinen, und das ist bestimmt nicht (nur) Retsina - Griechenland hat eine Weinhochkultur und mit Assyrtiko bei den Weißen und Agioritiko und Xynomavro bei den Roten Erzeugnisse der internationalen Spitzenklasse.

Die Nibelungenschänke, das war und das ist immer wieder aufs Neue zeitgemäße, vielfältige und hochwertige griechische Feinküche mit einem ganz speziellen Ethos im Service:

"Das ist eigentlich ganz einfach. Wie der Gast bei Dir zu Hause empfangen wird, so musst Du ihn auch hier empfangen!"

Nibelungenschänke
Nibelungenallee 55, Frankfurt
Ecke Eckenheimer Landstr., U5 und Bus 32 Deutsche Nationalbibliothek

Zum gleichen Thema erscheint am 28.5. im Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Artikel.

Sendung: hr2-kultur, 26.6.2020

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