Hermynia zur Mühlen war Aristokratin, Kommunistin, Katholikin, unbeugsame Nazigegnerin und Exilantin. Außerdem: politische Erzählerin und Publizistin. Bei einer Veranstaltung in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt konnte man sie jetzt wiederentdecken. Die Schauspielerin Anna Thalbach gab der Gräfin ihre Stimme.

Hermynia zur Mühlen wurde 1883 in Wien als Gräfin Folliot de Crenneville geboren, sie starb 1951 im englischen Exil in der Grafschaft Hertfordshire in Großbritannien. Nach der gescheiterten Ehe mit dem deutschbaltischen Großgrundbesitzer Victor von zur Mühlen zog sie 1919 nach Deutschland, wo sie sich der kommunistischen Bewegung anschloss und der KPD beitrat. 

Viele Jahre lang lebte sie in Frankfurt am Main. Geschätzt von Joseph Roth und Karl Kraus, war sie eine Ausnahmeerscheinung der deutschsprachigen Literatur der Weimarer Republik. Sie verfasste Kurzgeschichten und Romane, politische Erzählungen, Feuilletons und unter Pseudonym auch Kriminalromane. 1921 veröffentlichte sie ihre von George Grosz illustrierten proletarischen Märchen "Was Peterchens Freunde erzählen" im Berliner Malik-Verlag. Über 150 Romane und Erzählungen übersetzte sie aus dem Französischen, Russischen und Englischen ins Deutsche, darunter Werke von Upton Sinclair. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zogen Hermynia zur Mühlen und ihr Lebensgefährte und spätere Ehemann, der jüdischstämmige Übersetzer und Journalist Stefan Isidor Klein, nach Wien, 1938 flüchteten sie nach Bratislava und später nach England, wo Hermynia zur Mühlen weiter veröffentlichte, ohne allerdings größere Aufmerksamkeit zu erlangen. Im Paul Zsolnay Verlag ist jetzt erstmals eine Werkausgabe ihrer Texte erschienen. Die von Ulrich Weinzierl betreute und mit einem Essay der Schriftstellerin Felicitas Hoppe eingeleitete Edition präsentiert Vergessenes, Unbekanntes und Verdrängtes.

In der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt stellten Ulrich Weinzierl und Felicitas Hoppe die "rote Gräfin" vor. Die Schauspielerin Anna Thalbach las ausgewählte Stellen aus Hermynia zur Mühlens Werk, unter anderem aus dem autobiografischen Roman "Ende und Anfang. Ein Lebensbuch".

Wir senden einen gekürzten Mitschnitt vom 18. Juni 2019. Zu der öffentlichen Veranstaltung hatten die Wüstenrot Stiftung, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, der Zsolnay Verlag und das Deutsche Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek eingeladen.

Sendung: hr2-kultur, Kulturszene Hessen, 27.10.2019, 12:04 Uhr
Wiederholung am 2.11.2019, 18:04 Uhr

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