Wozu brauchen wir einen Kanon der deutschsprachige Literatur? Wen sollte man gelesen haben und warum? Und wer entscheidet, wer zu den wichtigsten Autor*innen gehört, und wer nicht? Marcel Reich-Ranickis Kanon hat Maßstäbe gesetzt und die literarische Diskussion nachhaltig befeuert. Der streitbare Literaturpapst hätte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Als Marcel Reich Ranicki sein Projekt eines "Kanons lesenswerter deutschsprachiger Werke" bekannt gab, sorgte das für Aufsehen im Feuilleton. Zuspruch gab es ebenso wie Widerspruch - Klagen über vergessene Autoren wurden laut, Alternativkanons wurden auf-, und der Sinn eines Kanons generell infragegestellt. Reich-Ranicki freute sich über die rege Rezeption und Diskussion seines Werks, das er als Leseempfehlung, und nicht als Vorschrift verstanden haben wollte.

Ab 2002 erschien im Insel-Verlag das monumentale Spätwerk des Großkritikers: Die wichtigsten deutschsprachigen Romane aus drei Jahrhunderten in 20 Bänden, 10 Bände mit Erzählungen, zahlreiche Bände mit Dramen, Gedichten und Essays. Sämtliche mit einer literaturgeschichtlichen Einordnung von Reich-Ranicki.

Im Rahmen der Buchmesse 2003 sprach er mit seinem langjährigen Kritikerkollegen Hellmuth Karasek (der sich verspätete) über sein großes Projekt. Er erklärte, wie er 300 Jahre Literaturgeschichte in einem Regalmeter unterbrachte, welche Werke ihm besonders wichtig waren, und welche Rolle sie in der Literaturgeschichte spielen. Damit gab er nicht nur in seine Arbeit einen Einblick, sondern auch in seine persönliche Lebens- und Lesegeschichte, die ihn mit der deutschen Sprache und der Literatur des 20. Jahrhunderts verband.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Marcel Reich-Ranicki am 2. Juni senden wir in der Kulturszene Hessen einen gekürzten Mitschnitt.

Weitere Informationen

Tipp

Vom 2. bis 18. Juni senden wir in unserer Lesung in 12 Folgen:
Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben und Kanon - Erzählungen
Alle Folgen stehen für jeweils 14 Tage ab Ausstrahlung online zur Verfügung.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturszene Hessen, 06.06.2020, 18:04 Uhr.
Wiederholung am 07.06.2020, 12:04 Uhr.

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