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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Das wäre sehr im Sinne unseres Stifters gewesen!" Die Digitalbeauftragte des Städels Freya Schlingmann

Bilder aus dem Städel zum Herunterladen - Franz Marc, Liegender Hund im Schnee, ca. 1911

Ein kleiner Knopfdruck am Main, aber ein großer Schritt für die Kunstwelt: Ab sofort sind 22.000 Kunstwerke aus dem Frankfurter Museum Städel frei zugänglich. Und jeder kann sie sich herunterladen, verändern und nutzen, auf T-Shirts, als Poster für die Küche oder als Unterrichtsmaterial.

Das Städel tritt damit in die Fußstapfen anderer großer Museen in den USA und stellt viele tausend Bilder aus der Sammlung "gemeinfrei" online zur Verfügung. Man soll also in Zukunft Bilder nicht nur ansehen können, sondern auch kreativ damit werden. Wir haben mit Freya Schlingmann, der Digitalbeauftragten des Städel, gesprochen.

Bilder aus dem Städel zum Herunterladen - Sandro Botticelli, Weibliches Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe), ca. 1480

Eine schöne Idee, über die wir mehr wissen möchten - von der Digitalbeauftragten des Museums Freya Schlingmann. Ist das jetzt Kunst zum Ausdrucken oder nachbearbeiten? Wie funktioniert das?

Freya Schlingmann:
Man kann einfach bei uns auf die digitale Sammlung gehen, sich das Werk seiner Wahl, sein Lieblingswerk runterladen und dann loslegen, für welchen Zweck man das auch immer verwenden möchte.

Also wissenschaftlich oder als Illustration oder als Fototapete, für mein Bad oder als T-Shirt? Ist denn alles erlaubt?

Schlingmann:
Genau, alles erlaubt. Wenn man es selbst veröffentlicht oder verändert, dann muss man natürlich noch mal angeben, dass das Städel-Museum das Bild bereitgestellt hat. Aber egal ob für Forschung und Lehre, für Lehrer und Schüler, für Künstlerinnen und Künstler - Sie können mit dem Werk machen, was sie gerne möchten.

Bilder aus dem Städel zum Herunterladen - Rembrandt Harmensz. van Rijn, Selbstbildnis an einer Steinmauer lehnend, 1639

Schulprojekt klingt toll!

Schlingmann:
Ich stelle mir zum Beispiel vor, dass ein Lehrer ein Gemälde oder eine der vielen Zeichnungen nimmt und seinen Geschichts- oder kulturwissenschaftlichen Unterricht darauf aufbaut, zum Beispiel Kolonialismus erklärt. Oder um ein Kreativprojekt mit den Schülern zu machen oder für verschiedene Projektarbeiten zu nutzen, wo die Kinder selbst auch wieder Geschichts- oder kulturwissenschaftliche Themen herausarbeiten können, anhand der Bilder. Hinter diesen eigentlichen Werken, hinter diesen Bildelementen, oder den eigentlichen Personen und Gegenständen liegen oft ganze Geschichten und Kulturen. Und das ist sehr spannend!

Und ich kann kreativ werden, als Künstler, Illustrator, Webdesigner ...

Bilder aus dem Städel zum Herunterladen - Paula Modersohn-Becker, Liegender Mann unter blühendem Baum, 1903

Schlingmann: Das war dem Städel von Anfang an wichtig. Die Open-Access-Culture des unbeschränkten Zugangs ist ja nicht neu. Das heißt: Wenn wir die Bilder bereitstellen, dann möchten wir auch Daten dazu bereitstellen, normierte Metadaten, wie man dann auch über eine Schnittstelle runterladen kann, mit denen man dann auch als Programmierer oder als Developer arbeiten kann, etwa Werke miteinander vernetzen kann über die Städel-Sammlung hinaus. Und das war für uns tatsächlich immer etwas sehr Wichtiges, auch im Sinne unseres Stifters, der ja damals gesagt hat: "Das Museum ist zum Besten der hiesigen Bürgerschaft." Damit hat er damals Frankfurt gemeint. Aber wir sehen das natürlich heutzutage viel weiter auf eine Welt-Bürgerschaft gerichtet - und auf dem Bildungsgedanken für das einundzwanzigste Jahrhundert.

Aber ins Museum gehen und die Bilder im Original anschauen darf und soll ich noch?

Bilder aus dem Städel zum Herunterladen

Schlingmann: Natürlich! Wir sehen das tatsächlich als parallele Entwicklungen, als eine digitale Erweiterung des Städel-Museums. Das ist ganz klar. Seit 2015 arbeiten wir daran, dass es einen digitalen Raum des Städels gibt und natürlich immer ein analogen Raum, weil das Kunstwerk natürlich am Ende doch analog ist und seinen Reiz und seinen Platz hat. Aber man kann viele Dinge an einem Werk tatsächlich besser digital vermitteln.

Und wie kann ich mich jetzt an dieser kreativen Öffnung der Sammlung beteiligen, also einfach anklicken und gucken?

Bilder aus dem Städel zum Herunterladen - Johannes Vermeer, Der Geograf, 1669

Schlingmann: Exakt. Sie können ihr Lieblingswerk aussuchen, zum Beispiel unseren Geografen von Vermeer. Den laden Sie sich runter, dann stimmen sie unser Lizenzbedingungen zu, und dann können Sie loslegen. Sie können sich dann davon eine Fototapete machen. Sie könnten aber auch Toilettenpapier damit bedrucken oder ihre Morgenteetasse. Sie können aber, wie gesagt, das auch für Lehre und Forschung verwenden oder einfach verändern: Vielleicht wollen Sie nicht mehr den Zirkel in der Hand des Geografen sehen, sondern vielleicht ein Mobiltelefon.

Die Fragen stellte Daniella Baumeister

Sendung: hr2-kultur, 21.8.2020, 16:17 Uhr

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