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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Birgit Sander über ihre neuen Aufgaben

Birgit Sander

Seit dem 1. Mai 2020 ist die Kunsthistorikerin Birgit Sander Direktorin des Museum Giersch der Goethe-Universität. Bei zukünftigen Ausstellungen sind ihr zwei Aspekte besonders wichtig.

Birgit Sander ist kein neues Gesicht, denn sie arbeitet seit 20 Jahren am Museum Giersch, zuletzt als stellvertretende Direktorin und hat es auch mit aufgebaut. Kaum jemand kennt das Museum so gut wie sie.

Zunächst war das Museum Giersch ein Museum, das regionale Kunst sammelte. 2015 - zum 100-jährigen Bestehen der Goethe Universität in Frankfurt - kam das Museum zur Uni. Was hat das für die Ausrichtung des Museums bedeutet?

Birgit Sander: Es erweitert sich - so würde ich es sehen. Wir sind ein Museum für regionale Kunst gewesen und sind es auch heute noch. Mit der Anbindung an die Universität kommt ein neuer Themenbereit hinzu, nämlich, wir werden auch Themen aus Wissenschaft, Lehre und Forschung aufgreifen. Wir haben das in den vergangenen 5 Jahren schon getan und das ist etwas, das wir auf jeden Fall weiterführen wollen. Wir beschäftigen uns auch mit den Sammlungen der Universität.

Das sind ja dann eigentlich unerschöpfliche Themen ...

Sander: Ja! Und ich denke auch, dass wir fortfahren sollten auch zu überlegen, was können Lehrende und Studierende auch an kuratorischer Mitarbeit leisten. Welche Impulse können von Ihnen ausgehen? Das ist bei der jetzigen Austellung zum Beispiel "Welt im Bildnis" der Fall, daran haben Studenten mitgewirkt. Und wir hätten auch gerne Studenten eingesetzt für die Vermittlung - das ist schade, dass wir das jetzt nicht machen können. Aber das wird auch eine zukünftige Aufgabe sein.

In wie weit verändert das Ausstellungen, wenn Studierende mitwirken?

Sander: Ich glaube, dass einmal der wissenschaftliche Aspekt ein sehr wichtiger ist, d.h. alles, was wir in der Ausstellung zeigen ist durch Studenten wissenschaftlich mit erarbeitet worden. Ich denke auch, dass Studenten vielleicht oft ein sehr offenen und unverblümten und auch jungen Blick auf Dinge habe. Ich denke natürlich, dass man sie auch mit kuratorischer Erfahrung an die Hand nehmen muss, aber ich glaube, dass das sehr befreiend und auch sehr gut werden kann.

Frau Sander, Sie kommen ursprünglich aus Hannover, haben in Bonn und Wien Kunstgeschichte studiert. Sie waren Kustorin am Schloss Gottorf in Schleswig. Was hat Sie vor 20 Jahren nach Frankfurt geführt?

Sander: Das waren persönliche Gründe. Ich war damals schon verheiratet - mit Jochen Sander - der stellvertrentende Direktor des Städel und Inhaber der Städel-Kooperations-Professur, und wir haben eine Fernbeziehung geführt. Und das wollten wir nicht mehr. Und dann hatte ich gehört davon, dass die Stiftung Giersch ein Haus einrichten möchte, oder ins Leben rufen möchte, ein Ausstellungshaus für Wechselausstellungen zu Themen der regionalen Kunst- und Kulturgeschichte. Und das hat mich gereizt, hat mich fasziniert. Ein Haus mit aufzubauen und damit eine Institution mit ins Leben rufen zu können.

Seit dem 1. Mai sind sie offiziell die Nachfolgerin von Manfred Großkinski. Wie wollen Sie das Museum weiter führen?

Sander: Mir ist es wichtig diese beiden Profilstränge - von denen ich gesprochen habe - also einerseits diese Fokusierung auf Regionales, die wir nie als ein- und ausgrenzend angesehen haben. Wir haben das Regionale als eine Art Fixpunkt verstanden, von dem aus man dann ganz unterschiedliche Themen anschlagen kann. [...] Also das Regionale immer wieder aus anderen Blickpunkten zu nehmen, auch mit anderen Regionen zu vergleichen - das wäre etwas, was mir weiterhin sehr wichtig ist.

Das Gebäude des Museum Giersch am Museumsufer in Frankfurt am Main

Und auch immer wieder Unbekanntes zu entdecken. Wir haben eigentlich immer Ausstellungen gemacht, die nicht so sehr auf den großen Namen gesetzt haben, sondern einfach auch viele Künstlerinnen und Künstler, die bisher nicht so im Rampenlicht gestanden haben. Und ich denke dadurch auch den Kanon - den kunsthistorischen Kanon - zu erweitern, wie das jetzt auch große Häuser tun, das wäre mit weiterhin wichtig.

Und das Zweite wäre natürlich diese Verbindung zur Universität weiter zu stärken. Das Haus als ein Ort der "universitären Community" noch stärker zu positionieren.

Wir haben sehr unterschiedliche Besucher und das ist mir wirklich für die Zukunft auch sehr wichtig. Wir möchten ein Ausstellungshaus sein für Menschen, die hier vielleicht schon lange verwurzelt sind, die sich mit der Geschichte der Stadt und der Region gut auskennen, aber auch für Menschen, die erst neu hier in Frankfurt leben, um ihnen auch etwas zu vermitteln, von uns und unserer Geschichte. Und wir möchten sozusagen inklusiv sein - in jeder Hinsicht.

Weitere Informationen

Museum Giersch der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Die Gründung des Museums geht auf das Ehepaar Carlo und Karin Giersch zurück, das regionale Kunst von Weltrang sammelte. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Goethe-Universität wurde das Museum zum 1. Januar 2015 für 30 Jahre an die Universität übertragen.

Ende der weiteren Informationen

Die Fragen stellte Ria Raphael.

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 17.05.2020, 09:10 Uhr

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