Leif Randt

Der Schriftsteller Leif Randt ist 1983 in Frankfurt geboren, lebt in Maintal und Berlin, ist auch als Webdesigner unterwegs und spielt gerne Badminton. Wie auch die Hauptfigur in seinem neuen Roman "Allegro pastell", einer Liebesgeschichte in Zeiten von Instagram - für die Leif Randt für den Preis der Belletristik der Leipziger Buchmesse nominiert wurde.

hr2-kultur: Wie ist das aus einer Perspektive zu schreiben, der man selbst entstammt - ist das nicht eigentlich zu leicht?

Leif Randt: Das war eigentlich eines der Vorhaben, nachdem ich mich zuvor immer an fiktiven Orten aufgehalten habe in meinen Texten. Also es gab "Schimmernder Dunst über Coby County", das ist so der optimale Ort am Meer. So eine Wunschfantasie eines Orts, an dem eigentlich alles nach gängigen Vorstellungen optimal ist, sich aber gar nicht so optimal anfühlt für denjenigen, der dort geboren ist.

Dann gab es "Planet Magnon", ein ganzes Sonnensystem, in dem die Gesellschaft nach verschiedenen ästhetischen Kollektivierungen unterteilt ist (...) das waren dann halt immer recht große Konstruktionen (...) und ich fragte mich dann, warum eigentlich tatsächlich nicht mal über die Dinge schreiben, die ich am besten kenne. Und das ist dann das Leben in Deutschland.

Tanja und Jerome haben beide ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und sind damit nicht unerfolgreich. Man hat das große Privileg, dass man materiell einigermaßen abgesichert ist oder aber, dass der eigene Reichtum dazu führt, dass man den verwalten müsste. Also sie verdienen jetzt nicht Unmengen von Geld, sie kommen über die Runden und haben außerdem im Hintergrund notfalls ihre Eltern. Das ist natürlich eine Situation, die fast schon wieder bescheiden und darin aber der absolut größte Luxus ist.

Was würden Tanja und Jerome in dieser Krise tun? Wären sie zusammen? Oder jeder in seiner Wohnung?

Randt: Ich bin sicher, hätte ich das Buch später angefangen zu schreiben und es hätte auch 2020 gespielt, dann wär die Corona-Krise auf jeden Fall in das Buch mit eingeflossen, weil das eben tatsächlich im Gegensatz zum Brexit oder anderen Medienthemen, den Alltag der beiden Figuren stark beeinträchtigt hätte. Ich könnte mir vorstellen, beide würden damit einen total produktiven und genussvollen Umgang finden, mit dem Lock-Down. Weil auch beide ihre Arbeit weitermachen könnten. (...) Beide würden sicherlich das Beste daraus machen und vor allem die Krise als Chance begreifen.

Wie geht es denn jetzt der Generation der 30 bis 40-Jährigen in dieser Krise? Was macht das mit Ihnen persönlich?

Randt: Es ist eine sich jeden Tag drehende Stimmungslage. Aber es ändert sich gar nicht so viel. Absurderweise ist auch jeden Tag der Himmel blau. Nach Draußen gehen ist so ein bisschen die Vorerwartung auf den Frühling und spazieren gehen auf dem Dorf ist eigentlich wie immer. Man sieht Paare und Familien - die dürfen ja gemeinsam laufen - man hält vielleicht noch mal dezidiert mehr Abstand zu den Leuten als sonst. Insofern ist es hier gerade auch so ein bisschen irreal, weil die Krise ist eher virtuell.

Es ist so eine Mischung aus Freude an der Entschleunigung und einer diffusen Furcht auf der anderen Seite. Was trotzdem auch vorhanden ist, ist die Bejaung der Zäsur und der Chance, dass sich jetzt politisch und ökonomisch sehr viel ändern könnte oder wird. In den Monaten und Jahren nach der Krise oder durch die Krise, die vielleicht auch einfach anhält. Also die Gesellschaft verändert sich und vielleicht teilweise auch zum Besseren, das ist die Hoffnung, die irgendwie auch darüber schwebt.

Unter dem Motto "Erregungen" wollte das 10. Literaturfestival FrankfurtRheinMain literaTurm die zunehmende Gereiztheit gesellschaftlicher Debatten in den Fokus stellen. Gespräche mit ausgewählten Festival-Mitwirkenden hören Sie vom 23. bis 27. März im hr2-Kulturfrühstück und hr2-Kulturcafé und können Sie online hören.

Die Fragen stellte hr2-Moderator Alf Haubitz.

Sendung: hr2-kultur Kulturcafé, 25.03.2020, 17:05 Uhr.

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