Die Shortlist des Deutschen Buchpreises steht fest. Die sechs Finalist*innen zeigen, laut Jury, „den stilistischen, formalen und thematischen Reichtum der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“. Fünf von ihnen stellen sich mit Gesprächen und Lesungen im Frankfurter Literaturhaus vor: Monika Helfer, Thomas Kunst, Antje Rávik Strubel, Norbert Gstrein und Mithu Sanyal. Nachzuhören sind ihre Auftritte vom 13.– 15. Oktober in hr2-kultur.

Den großen Shortlist-Abend, den das Literaturhaus Frankfurt am 1. Oktober gemeinsam mit dem Kulturamt Frankfurt ausrichtet, eröffnet Monika Helfer mit ihrem Buch „Vati“. Die Vaterfigur des Romans ist beschädigt aus dem Krieg zurückgekommen, und beschädigt nun mit ihrem Schweigen die Familie. „Ein Buch von zärtlicher Traurigkeit - in dem Gefühl und sprachliche Klarheit vollständig ausgewogen sind“, findet die Jury.

Thomas Kunst ist mit dem Roman „Zandschower Klinken“ zu Gast. „Dieses Buch lässt einen freier atmen“, so die Jury, auch durch seine formale Radikalität. Radikal sind auch die Bewohner des darin erfundenen Provinzdorfs „Sansibar“.

Antje Rávik Strubel erzählt in „Blaue Frau“ von den Gewalterfahrungen einer jungen Frau. „Ein Ost-West Roman, ein Europaroman, eine Geschichte über Machtmissbrauch“, fasst die Jury zusammen. Die Handlungsstränge seien meisterhaft verflochten, die Darstellung atmosphärisch dicht.

Weiter geht der Abend mit dem vielfach ausgezeichneten Norbert Gstrein und seinem Roman „Der zweite Jakob“. Er handelt von einem zwielichtigen Schauspieler, der gern Mörder spielt und auch im realen Leben manche Leiche im Keller hat. Die Jury schwärmt von der „virtuosen Erzählkunst“.

Mit Mithu Sanyals viel diskutiertem Roman „Identitti“ endet der Shortlist-Abend. Es ist vielleicht das Buch der Stunde. Das Juryurteil: „Ein enorm vergnüglicher, hochenergetischer Diskursroman, bei dessen Lektüre viel zu lernen ist und der dabei grandios unterhält.“

Nur ein Autor von der Liste wird beim Shortlist-Abend in Frankfurt fehlen: Christian Kracht. Sein Roman „Eurotrash“ knüpft an den Klassiker der Popliteratur „Faserland“ von 1995 an. Im neuen Werk über seine Mutter gelingt dem Schriftsteller laut Jury „das seltene Kunststück, eine komplexe literarische Poetik in stilistischer Virtuosität zum Leuchten zu bringen.“

Weitere Informationen

Shortlist-Abend im Literaturhaus Frankfurt

Der Shortlist-Abend findet am Freitag, den 1. Oktober 2021, ab 18 Uhr als Hybridveranstaltung statt. Es moderieren Eva-Maria Magel (F.A.Z.), Christoph Schröder (freier Kritiker) und Bianca Schwarz (hr2-kultur). Saal- und Streaming-Tickets sind ab dem 24.09. im Verkauf. In hr2-kultur dokumentieren wir die Gespräche und Lesungen zwischen dem 13. und 15. Oktober auf unserem Lesungsplatz jeweils um 09.05 Uhr und 14.30 Uhr.

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Welches Buch am Ende als bester Roman des Jahres 2021 ausgezeichnet wird, das steht kurz vor der Buchmesse am Montag, den 18. Oktober, fest: Der Deutsche Buchpreis wird ab 18 Uhr im Frankfurter Römer überreicht. Wir begleiten die Preisverleihung mit Berichten und Beiträgen im Tagesprogramm von hr2-kultur.

Die nominierten Romane in alphabetischer Reihenfolge

  • Norbert Gstrein: Der zweite Jakob (Carl Hanser, Februar 2021)
  • Monika Helfer: Vati (Carl Hanser, Januar 2021)
  • Christian Kracht: Eurotrash (Kiepenheuer & Witsch, März 2021)
  • Thomas Kunst: Zandschower Klinken (Suhrkamp, Februar 2021)
  • Mithu Sanyal: Identitti (Carl Hanser, Februar 2021)
  • Antje Rávik Strubel: Blaue Frau (S. Fischer, August 2021)

Sendung: hr2-kultur, "Lesung", 14.10.2021, 9:05 - 9:30 Uhr.