Franz Grillparzer: Der arme Spielmann / hr2-Lesung

Ein Bettelmusikant entpuppt sich als wahre Künstlernatur. Er verehrt die alten Meister, doch seine wahre Kunst entfaltet sich erst bei frei erfundenen Melodien. Die Novelle aus dem Jahr 1847 gilt als Schlüsseltext von Franz Grillparzer. Der Dichter und Dramatiker beschäftigte sich selbst zeitlebens mit Musik, spielte Klavier, Violine und komponierte auch. Eine Klassikerlesung zum 150. Todestag des österreichischen Nationaldichters.

Es ist Sommer. Mit "anthropologischem Heißhunger" begibt sich der Ich-Erzähler auf eine Kirchweih in der Wiener Brigittenau. Hier kommen arm und reich zusammen, Menschen aller Herkünfte und Berufe. Unter den verschiedenen Musikern fällt ihm besonders ein Geigenspieler ins Auge.

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Sendung

17.01.-21.01.2022 (5 Folgen)
Montag-Freitag 09:05 Uhr, Wiederholung um 14:30 Uhr.
Jede Folge ab Sendedatum für 7 online auf hr2.de.

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Der alte Mann führt ein Notenpult mit sich, bekümmert sich kaum um seine Einnahmen und bricht frühzeitig auf. Denn, so erklärt er: Sein Morgen gilt der Übung, die Tagesmitte dem Broterwerb, der Abend aber der musikalischen Fantasie. Neugierig geworden sucht der Rahmenerzähler den Spielmann einige Tage später in seiner ärmlichen Behausung auf und lauscht zunächst von der Straße her dessen Musik. Er bemerkt, dass der Alte zwar wenig kunstvoll spielt, jedoch nach einem klaren Stilprinzip: Statt ein Musikstück nach Sinn und Rhythmus zu betonen, hebt er nur die ihm wohltuenden Noten und Intervalle hervor, verlängert und wiederholt diese willkürlich. Dieses ganz und gar einzigartige, vollkommen lustgesteuerte Spiel bringt den Erzähler dazu, sich die Lebensgeschichte des Mannes anzuhören – und es beginnt eine Erzählung in der Erzählung: Der arme Spielmann ist der Sohn eines hohen Staatsmannes. Er lernte Latein, das alte Curriculum und natürlich auch die Violine, unter Zwang und mit wenig Erfolg. So wurde er einfacher Abschreiber in einer Kanzlei, bis sich eines Tages durch schicksalhafte Ereignisse sein Leben wandelte: Die Liebe hielt Einzug…

Franz Grillparzer

Franz Grillparzer lebte von 1791 bis 1872 in Wien. Der Autor wurde vor allem für seine Dramen "Die Ahnfrau", "Das goldene Vlies" oder "Die Jüdin von Toledo" bekannt. Mit dem Stoff für die Novelle "Der arme Spielmann" beschäftigte er sich seit 1831, anfangs als Versuch eines autobiografischen Romans. Der Text wurde mehrfach überarbeitet und erschien erstmals 1847. Der Schauspieler und Moderator Dietmar Schönherr hat die Geschichte 1980 für den hr gelesen.

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Redaktion: Karl Corino
Regie: Sylvia Molzer
Sprecher: Dietmar Schönherr
Eigenproduktion hr, 1980
Erschienen bei DAV:
"Große Werke, große Stimmen"
110 Minuten, 10 Euro

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