Johann Gottfried Seume

Der Urlaub steht vor der Tür. Auf zu Fuß durch Italien, junge Mandeln kosten und frische Orangen, den Ätna und den Vesuv besteigen. Während wir davon in diesem Jahr nur träumen können, legte Seume im Jahr 1802 tatsächlich fast 6000 Kilometer zurück. Wir begleiten ihn mit einer 13-teiligen Lesung seines Erlebnisberichts. Eine klassische Reisebeschreibung zum Auftakt für die 40 Reise-Erzählungen von Gegenwartschriftsteller*innen, die im ARD-Radiofestival vom 20. Juli bis zum 11. September zu hören sein werden.

War er eher Abenteurer oder kritischer Reisejournalist? Fest steht: Johann Gottfried Seume hat das Reisen auf den Kopf gestellt. Er brach im Dezember 1801 aus Grimma bei Leipzig zu einer Wanderung durch Europa auf. Sein Ziel ist Sizilien, genauer Syrakus, der antike Hotspot für jeden klassischen Bildungsreisenden. Doch Seume macht vieles anders, er geht große Strecken zu Fuß, kehrt in günstigen Unterkünften ein, interessiert sich für den Alltag der kleinen Leute. Acht Monate ist er unterwegs. Die Route führt über Prag nach Wien, Triest, Venedig, Rom, Neapel. Auf den Straßen begegnen ihm Napoleons Soldaten, er hängt in Grenzkontrollen fest. Er besucht Kunstschätze in Venedig, Rom und Neapel, spricht mit Gondolieren und beobachtet die Orangenernte in Sizilien.

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Sendung

01.07.-17.07.2020 (13 Folgen)
Montag-Freitag 9:30 Uhr im "Kulturfrühstück",
Wiederholung 15 Uhr in der "Klassikzeit".
Alle Folgen stehen für jeweils 7 Tage ab Ausstrahlung online zur Verfügung.

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Beim Wandern entdeckt er die Freiheit des Reisenden und beobachtet das Leben um ihn herum journalistisch genau. Er interessiert sich für die Bauern auf dem Land, für Handwerker und Tagelöhner, er beäugt das politische Treiben der Despoten an Höfen und Palästen. Er schläft in billigen Unterkünften und gönnt sich einen Führer mit Eseln. Mit seiner Art des Reisens konterkariert er die klassische Bildungsreise in der Tradition der "Grand Tour". Dass er Reisen zu einem anderen Erlebnis macht, gewohnte Blicke in Frage stellte, machte Johann Gottfried Seume zum Vorbild für ganze Generationen kritischer Touristen.

Sein Erlebnisbericht "Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802" beschreibt ein bis dahin unbekanntes Reiseerlebnis: subjektiv, eigenwillig, politisch, kritisch, alltagsnah: Ein Vorbild für Heinrich Heine, für Goethe ein Langweiler. Wo der Dichterfürst Hof hält, sucht der Wanderer Seume eine billige Unterkunft. Seume ist politischer Chronist, seine Italienreise gilt als eine der bemerkenswertesten Reisen der deutschen Literatur.

Johann Gottfried Seume (1763 – 1810) studierte in Leipzig Theologie später Jura, Philosophie, Philologie und Geschichte. 1781 wurde er auf dem Weg nach Paris von Soldaten aufgegriffen und vom Landgrafen von Hessen-Kassel als Soldat an die Engländer vermietet, und für den Kampf im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg an die Engländer verkauft. Später desertierte er aus der Armee. Bis zu seiner Wanderung nach Syrakus arbeitete er als Korrektor bei seinem Freund und Verleger Georg Joachim Göschen. Nach der Wanderreise durch Italien bereiste er auch Russland, Finnland und Schweden.

Der bekannte Schriftsteller, Journalist und Sprecher Gert Heidenreich hat 2007 Johann Gottfried Seumes „Spaziergang nach Syrakus“ in der Textauswahl von Wilhelm Hausenstein für den NDR gelesen. Wir haben Highlights des meisterlichen Vortrags für Sie zusammengestellt.

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