Marcel Proust

Im Herbst 2019 begeisterte ein sensationeller Fund das französische Feuilleton: neun frühe, bislang vollkommen unbekannte Novellen, Skizzen und Erzählungen des jungen Marcel Proust. Entstanden lange vor dessen Jahrhundertwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, erzählen sie vom ersten Aufscheinen homosexueller Liebe. Zum 150. Geburtstag von Marcel Proust erscheinen sie jetzt erstmals auf Deutsch. Wir senden sie in der Lesung von Cédric Cavatore – eine echte Entdeckung!

Es sind zarte Geschichten, die Marcel Proust mit Anfang 20 verfasst, eigentlich ein intimes Tagebuch, in dem er persönlichen Gedanken und Träumen eine fiktionale Form gibt: Ein mysteriöser Verehrer entpuppt sich als Verehrerin; ein Hauptmann erinnert sich an eine homoerotische Begegnung, ohne sie als solche zu erkennen; eine gute Fee beschert dem Helden als Ausgleich für Krankheit und Leiden künstlerische Kreativität. In diesen Versuchen steckt bereits die ganze Zukunft von Prousts Jahrhundertepos.

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Sendung

23.06.-25.06.2021 (3 Folgen)
Mittwoch-Freitag 09:05 Uhr, Wiederholung um 14:30 Uhr
14 Tage als Audio-on-demand auf hr2.de (23.06.-06.07.2021) und in der ARD Audiothek (27.06.-10.07.2021)

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Warum er diese Texte nie veröffentlichte, können wir heute nur ahnen. Möglicherweise hatte er Angst vor dem Skandal, den die bemerkenswert offene Thematisierung von Homosexualität hätte provozieren können. Nach Prousts Tod werden die Skizzen und Erzählungen erst Anfang der 1950er Jahre vom Proust-Forscher Bernard de Fallois in einem Stapel Manuskripte wiedergefunden. Aber auch dann werden sie nicht veröffentlicht und geraten wieder in Vergessenheit, bis sie 2019 endlich in Frankreich publiziert werden. Jetzt liegen sie erstmals in deutscher Übersetzung vor.

Marcel Proust wurde am 10. Juli 1871 in Auteuil geboren und starb 1922 in Paris. Sein siebenbändiges Romanwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gilt als Jahrhundertepos der modernen Literatur. Aufgewachsen in Paris als Sohn eines wohlhabenden Arztes, war Proust finanziell unabhängig und führte in den Pariser Salons das Leben eines Dandys. Nach dem Tod seiner Mutter 1905, der ihn in eine tiefe Krise stürzte, machte er die Arbeit an seinem Roman zum einzigen Inhalt seiner Existenz. Im Alter von 35 Jahren zog er sich wegen eines Asthmaleidens aus der Gesellschaft zurück. In der Einsamkeit seiner Wohnung am Boulevard Haussmann entstand »A la recherche du temps perdu«, das er erst wenige Monate vor seinem Tod beendete.

Cédric Cavatore, 1990 als Sohn einer deutschen Mutter und eines französischen Vaters geboren und zweisprachig aufgewachsen, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Neben einer Hauptrolle vor der Kamera in der SWR-Serie „Pälzisch im Abgang“ stand er auf den Bühnen der Theater Halle, Kampnagel, Bielefeld, Koblenz und Wiesbaden.

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Hörbuch: Marcel Proust: Der geheimnisvolle Briefschreiber. Frühe Erzählungen
Ungekürzte Lesung mit Cédric Cavatore
1 CD (77 Minuten), Der Hörverlag, 24 Euro
Erschienen am 21. Juni 2021

Buch: Marcel Proust: Der geheimnisvolle Briefschreiber. Frühe Erzählungen
Herausgegeben von Luc Fraisse. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs
174 Seiten, Suhrkamp Verlag, 28 Euro
Erschienen am 19. Juni 2021

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Produktion: Hessischer Rundfunk/Der Hörverlag 2021
Sprecher: Cédric Cavatore
Regie: Marlene Breuer
Technik: André Bouchareb
Besetzung: Heike Oehlschlägel
Redaktion: Karoline Sinur & Julika Tillmanns

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