„Deutschland, das ist Adolf Hitler und Thomas Mann!“, schreibt Marcel Reich-Ranicki in „Mein Leben“. Mit Auszügen aus der bewegenden Autobiographie und ausgewählten Erzählungen aus dem „Hörkanon“ feiern wir den 100. Geburtstag des bedeutenden Literaturkritikers.

Angefangen mit seiner Zeit als jüdischer Schüler im Berlin der 1930er Jahre und der Deportation ins Warschauer Ghetto bis zur Ermordung seiner Eltern im Vernichtungslager Treblinka sind Reich-Ranickis Erinnerungen nicht nur eine anrührende Lebensgeschichte, sondern auch ein Dokument der Zeitgeschichte. Schon als Jugendlicher entdeckt der damalige Marceli Reich seine Liebe zur Literatur, besonders zu den von den Nazis geschmähten Schriftstellern Thomas Mann und Kurt Tucholsky. Nach der Ausweisung aus Deutschland lernt er im Warschauer Ghetto unter dramatischen Umständen seine spätere Frau Teofila kennen, als deren Vater sich aus Kummer über die Zustände im Ghetto erhängt. Nachdem der junge Mann miterleben muss, wie seine Familie ins Vernichtungslager Treblinka deportiert wird, taucht er mit Teofila unter und überlebt so den Holocaust. Auf diesen Abschnitt seines Lebens konzentriert sich unsere auszugweise Lesung aus „Mein Leben“, die 1999 bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschien.

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Sendung

02.06.-22.06.2020 (14 Folgen)
Montag-Freitag 9:30 Uhr im "Kulturfrühstück",
Wiederholung 15 Uhr in der "Klassikzeit".
Alle Folgen stehen für jeweils 7 Tage ab Ausstrahlung online zur Verfügung.

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In der Nachkriegszeit arbeitete Marcel Reich-Ranicki für die Wochenzeitung Die Zeit und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Später war er Initiator der Sendung Das literarische Quartett, das er bis ins hohe Alter moderierte. Der oft so genannte „Literaturpapst“ gewann ungezählte Preise, darunter den Thomas-Mann-Preis und den Deutschen Fernsehpreis, den er jedoch ablehnte.

Der Hörkanon

In seinen letzten Lebensjahren verschrieb sich Marcel Reich-Ranicki sehr dem Projekt eines Kanons der deutschsprachigen Literatur – und zwar eines Kanons aller Gattungen, von Romanen über Erzählungen, Dramen, Gedichte bis hin zu Essays. Der Kanon erschien ab 2002 im Insel Verlag. 2010 folgte dann auch ein „Hörkanon“ mit sage und schreibe 70 Erzählungen auf 40 CDs. Das monumentale Werk erschien in Kooperation mit hr2-kultur und der FAZ beim Hörverlag. Wir präsentieren einige ausgewählte Kanon-Erzählungen mit besonderen Bezug zu dem Kanoniker Marcel Reich-Ranicki, angefangen von Goethes „Die wunderlichen Nachbarskinder“ über Kafkas „Ein Hungerkünstler“ bis zu Ilse Aichingers „Spiegelgeschichte“.

Am 2. Juni wäre der im polnischen Włocławek geborene und in 2013 in Frankfurt verstorbene Marcel Reich-Ranicki 100 Jahre alt geworden.

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Übersicht Sendetermine

02.-09.06. Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben
10.06. Johann Wolfgang von Goethe: Die wunderlichen Nachbarskinder, gelesen von Dieter Mann
12.06. ETA Hoffmann: Ritter Gluck, gelesen von Jan-Gregor Kremp
15.06. Marie Ebner-Eschenbach: Krambambuli, gelesen von Ulrich Noethen
16.06. Frank Kafka: Ein Hungerkünstler, gelesen von Mechthild Großmann
17.06. Alfred Döblin: Die Ermordung einer Butterblume, gelesen von Helmut Zierl
18.06. Marie Luise Kaschnitz: Lange Schatten, gelesen von Leslie Malton
19.06. Ilse Aichinger: Spiegelgeschichte, gelesen von Andrea Sawatzki
22.06. Gabriele Wohmann: Wiedersehen in Venedig, gelesen von Birgitta Assheuer

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