Yasmina Reza

Yasmina Reza ist die wohl wichtigste Theaterautorin der Gegenwart. Ihr neuer Roman kreist um große Fragen: Was bedeutet Familie? Was heißt jüdisch sein? Wie umgehen mit Alter, Krankheit, Tod? Und er schaltet sich ganz nebenbei in die Debatte um die Auschwitz-Gedenkkultur ein. Peter Jordan hat den Roman mit viel Gespür für Zwischen- und Untertöne gelesen.

Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Popper: Serge, verkrachtes Genie und homme à femmes, Jean, der Vermittler und Ich-Erzähler und Nana, die verwöhnte Jüngste. Ihre Mutter ist gestorben, und zu ihren Lebzeiten hat keiner die alte Frau nach der Shoah und ihren ungarischen Vorfahren gefragt. Jetzt schlägt Serges Tochter Joséphine einen Besuch in Auschwitz vor. Dort stürzt sich die junge Frau auf die ikonischen Mahnmale, den Birkenwald, die Judenrampe, den Arbeit-macht-frei-Bogen und auf die Archiveinträge zu ihren Verwandten. Ihr Vater Serge hingegen wiedersetzt sich der touristischen Erinnerungskultur. Und auch der Erzähler ist skeptisch und macht sich Gedanken, ob Erinnern überhaupt möglich sei, an etwas, das man selbst nicht erlebt hat. Virtuos hält Reza das Gleichgewicht zwischen Komik und Tragik, wenn bei der Besichtigung des Konzentrationslagers die Temperamente aufeinanderprallen. Hinter den messerscharfen Dialogen ist es gerade die existentielle Hilflosigkeit dieser Menschen, die berührt.

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Sendung

24.01.-15.02.2022 (17 Folgen)
Montag-Freitag 09:05 Uhr, Wiederholung um 14:30 Uhr.
Alle Folgen ab Sendedatum für 7 online auf hr2.de sowie in der ARD-Audiothek im Zeitraum 24.01.-06.02.22.

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Yasmina Reza wurde 1957 als Tochter einer weitverzweigten jüdischen Familie in Paris geboren. Die Mutter eine ungarische Geigerin, der Vater ein iranischer Ingenieur studierte Yasmina Reza Soziologie und Theaterwissenschaften in Paris, wurde Schauspielerin, Musikerin und vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin von Romanen und Theaterstücken. So wurde z.B. ihr Stück "Der Gott des Gemetzels" in mehr als 30 Sprachen übersetzt und von Roman Polanski erfolgreich verfilmt.

Peter Jordan ist erfolgreicher Theater-, Film- und Fernsehschauspieler und regelmäßig auf der Bühne des Thalia Theaters zu sehen. Einem breiten Fernsehpublikum ist er unter anderem durch die Rolle des Kommissars im Hamburger "Tatort" bekannt.

Zeitgleich mit dem Start unserer Lesung von "Serge" erscheint die Produktion am 24.1. auch bei "Hörbuch Hamburg" und der Roman beim Hanser Verlag. Er wurde aus dem Französischen übersetzt von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel.

Sprecher: Peter Jordan
Regie: Marlene Breuer
Technik: Matthias Karow und Melanie Inden
Besetzung: Heike Oehlschlägel
Assistenz: Sara Glahe
Redaktion: Julika Tillmanns