"Ich bitte um ein Wort..." schreibt der Verleger Siegfrid Unseld an den Schriftsteller Wolfgang Koeppen. Dieser war berühmt und hochgepriesen für seine Romane, aber er war auch berühmt für seine angekündigten, nicht geschriebenen Romane. Seinen ersten Roman veröffentlichte er 1934. Als sein Verlag, Goverts, sich 1959 auflöste, ergriff Siegfried Unseld die Chance, den bewunderten und verehrten Autor in sein Haus "Suhrkamp" zu holen.

Mit diesen Annäherungsversuchen beginnt der Briefwechsel. Und dieser Briefwechsel zeigt einen mit großer Geduld ausgestatteten Verleger, der immer wieder bereit ist, dem Schriftsteller Koeppen diese und jene finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen, ohne daß abzusehen ist, wann Koeppen die versprochenen Manuskripte abliefert. Es vergehen 16 Jahre bis Koeppen ein Manuskript vorlegt, zwar nicht den versprochenen großen Roman, dafür aber die Erzählung "Jugend", die 1976 in der Bibliothek Suhrkamp erscheint. Wie brillant beide taktieren, wie wunderbar sie schreiben, um ihre Ziele zu erreichen: diese äußerst berührenden, manchmal sehr komischen Briefe sind einzigartig.

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Audioseite "Ich bitte um ein Wort" - Briefwechsel zwischen Koeppen und Unseld

Wolfgang Koeppen - Siegfried Unseld
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Wir senden einen gekürzten Mitschnitt der Veranstaltung "Salon Kontrovers" aus dem Frankfurter Holzhausenschlösschen vom 27.September 2021. Es lesen die Schauspieler Thomas Hupfer und Christian Wirmer, die Konzeption hatte Hanne Kulessa.

Wolfgang Koeppen wurde für sein Werk, das heute im Suhrkamp Verlag in einer Werkausgabe vorliegt, vielfach ausgezeichnet. U.v.a. mit dem wichtigsten deutschen Literaturpreis, dem Georg-Büchner-Preis, 1962. Auch war Koeppen der erste "Stadtschreiber" von Bergen-Enkheim 1974/75.

Sendung: hr2-kultur, Spätlese, 23.11.2021, 22:00 Uhr.