Das ergreifende Debüt der Gewinnerin des Publikumspreises des Bachmann-Wettbewerbs über die Zerrissenheit eines jesidischen Mädchens, das in Deutschland aufwächst, aber ebenso in einem syrisch-kurdischen Dorf verwurzelt ist.

Ein Dorf in Syrien, an der Grenze zur Türkei: Jeden Sommer ihrer Kindheit verbringt Leyla aus München hier. Sie ist die Tochter einer Deutschen und eines ezidischen Kurden. Sie kennt die Geschichten des Dorfs, sie riecht und schmeckt es. Sie weiß, wo die Koffer versteckt sind, wenn die Bewohner wieder fliehen müssen.

Als Leyla Abitur macht, vernichtet Assad Aleppo, verübt der IS einen Völkermord an den Eziden. Leyla verfolgt die Nachrichten ohnmächtig. Ihre Freunde in München sind mit Partys beschäftigt, niemand fragt nach Leylas Herkunft. Sie wird eine Entscheidung treffen müssen.

Voller Zärtlichkeit und Wut erzählt Ronya Othmann von Leyla, die ihre Zwillingsschwester sein könnte. Hätte Leyla, damals in den Sommern ihrer Kindheit, gewusst, was kommt, sie hätte alles festgehalten und fotografiert: als Beweis, dass es das alles wirklich gegeben hat.

Ronya Othmann wurde 1993 in München geboren und studiert am Literaturinstitut Leipzig. Sie erhielt unter anderem den MDR-Literaturpreis und den Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. Für die taz schreibt sie gemeinsam mit Cemile Sahin die Kolumne "OrientExpress" über Nahost-Politik. "Die Sommer" ist ihr Romandebüt.

Wir senden den Mitschnitt einer öffentlichten Veranstaltung in der Römerhalle Dieburg vom 30. September. Auf Einladung der Bücherinsel Dieburg las Ronya Othmann dort im Rahmen des Festivals "Leseland Hessen".

Sendung: hr2-kultur, Spätlese, 08.12.2020, 22:00 Uhr.

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