Lichter Filmfest

Lichter-On-Demand ist das Motto des Lichter Filmfestes in diesem Jahr. Wie viele andere kulturelle Institutionen verlegt auch das Lichter Filmfest sein diesjähriges Filmfestival ins Netz. Vom 21. bis 26. April kann man nun das Festival in einer etwas abgespeckten Version online besuchen.

Der Film "Nackte Tiere" wird demnächst auf dem Lichter Filmfest laufen. Nur dieses Mal wird das ein bisschen anders sein, erläutert Festivaldirektorin Johanna Süß: "Wir können in keine unserer Partnerkinos rein, sondern werden eine kleine Programmauswahl online über eine On-Demand-Plattform laufen lassen. Also üblicherweise würden wir um die 100 Filme zeigen, jetzt sind es etwa 25 plus 40 Kurzfilme."

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Lichter Filmfest
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"On demand" heißt hier: das Filmfestival ist nicht gratis, sondern man muss wie bei jedem anderen Festival in der non-digitalen Welt auch Eintrittskarten kaufen. "Ja, man muss im Prinzip Eintritt bezahlen", bestätigt Johanna Süß. "So wie man das bei itunes oder Amazon auch macht. Der Unterschied ist, dass es im Prinzip Filme sind, die eigentlich noch nicht im Kino-Umlauf sind, sondern Festivalfilme. Das heißt, die kommen in die Kinos wahrscheinlich erst im Herbst oder gar nicht, weil sie keinen deutschen Verleiher haben. Das heißt, das ist ganz tolles, neues Material."

Das Lichter Filmfest will eben kein zeitlich begrenzter Streamingdienst sein, sondern es bleibt ein Festival: mit einem Wettbewerb, mit Gesprächen, Interviews, Videokonferenzen, mit Podcasts  - nur eben alles online in diesem Jahr. Im Moment ist von 8 Euro Eintritt die Rede, ob einmalig, mehrmalig, ob es Mengenrabatt gibt: Darüber diskutiert Johanna Süß gegenwärtig noch mit ihren Kollegen und Kolleginnen. Die Einnahmen werden verteilt an die Filmverleiher, an Kinos, an die Filmhersteller, die jetzt erhebliche existenzbedrohende finanzielle Einbußen haben.

Das Direktorenteam Johanna Süß und Gregor Maria Schubert musste ziemlich spontan innerhalb weniger Wochen auf die neue Situation reagieren. Das Programm des Festivals ist darum ein wenig angepasst: weniger Filme, der geplante Kongress "Zukunft Deutscher Film" wird auf den Herbst verschoben. Aber am Jahresthema "Macht" haben die Direktoren festgehalten: "Natürlich wusste man vor einem Jahr nichts von diesem machtvollen Eingriff eines Virus auf unsere Gesellschaft. Aber das ist natürlich interessant: Die Filme sind fast noch aktueller geworden, die wir jetzt dazu haben, weil sie eben doch sehr gut die politischen Dynamiken, die es jetzt, nicht unbedingt in Deutschland, aber in anderen europäischen Ländern gibt und in Amerika, kommentieren."

Dan Beirne in "The Twentieth Century" von Matthew Rankin

"The Twentieth Century" ist einer der Filme, den Johanna Süß besonders hervorhebt, weil er wie ein Spiegel auf die gegenwärtige Situation funktioniert: er zeigt, wie verlogen und lächerlich zugleich Nationalismus ist. Johanna Süß: "Das ist ein Film, der uns besonders am Herzen liegt, denn das ist ein sehr junger Filmemacher, der den Aufstieg eines der längsten kanadischen Präsidenten kommentiert, indem er das in eine absurde Dada-Welt zieht."

Not macht zwar erfinderisch, doch ist das On-Demand-Festival für Johanna Süß nur ein "Ausweg", denn: "Wir glauben, dass Filme eigentlich ins Kino gehören, und sie dort wieder gezeigt werden müssen, weil für mich dieser Film eben nicht etwas ist, was so unkommentiert da steht, sondern es ist ganz ganz wichtig, dass man sich  mit den Inhalten auseinandersetzt und mit Leuten darüber spricht."

Weitere Informationen

Lichter Filmfest

Webseite: lichter-filmfest.de

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Das Lichter Filmfest beginnt am 21. April. Bis dahin gibt es eine schöne Aktion: die Daumenkino-Challenge. Wer Lust hat zu zeichnen, kann seine eigene kleine Geschichte mal als kleines Abblätterbuch festhalten. Eine Anleitung dazu gibt es auf der Homepage des Lichter Filmfestes. Wer gezeichnet hat, kann das Werk mit dem Smartphone abfilmen und an info@lichter-filmfest schicken. Als Preis winkt ein Festivalpass für das nächste Jahr.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 7.4.2020, 16:15 Uhr

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