Ohne Walter Pehle sähe die Geschichtsforschung und Erinnerungskultur in Deutschland heute anders aus. Als Herausgeber der legendären „Schwarzen Reihe“ im S. Fischer-Verlag hatte er sich unermüdlich der Erforschung und Aufarbeitung der NS-Verbrechen verschrieben. Am 28. März ist Walter Pehle verstorben – wir erinnern an ihn mit zwei Mitschnitten aus seiner letzten Vortragsreihe.

„Eine Region und die Schuld“ hieß die Vortragsreihe im Frankfurter Holzhausenschlösschen, die Walter Pehle konzipiert hat. Darin ging er und die weiteren Vortragenden der Aufarbeitung der NS-Geschichte (bzw. deren Fehlen) in Hessen nach. Im Literaturland Hessen senden wir gekürzte Mitschnitte von zwei Vorträgen, von Dr. Tobias Freimüller und Maximilian Aigner.

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Walter Pehle
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Dass es nach dem Holocaust und der nahezu vollständigen Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland noch einmal jüdisches Leben im Land der Täter geben würde, schien 1945 kaum denkbar. Und doch bildeten sich vielerorts wieder kleine jüdische Gemeinden und prägten eine neue jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik. Ist deren Geschichte vor allem als langfristig geglückter Neuanfang und Ausdruck deutsch-jüdischer Aussöhnung zu sehen? Oder müssen vor allem die Probleme und wechselseitigen Fremdheitserfahrungen betont werden? Diesen Fragen geht Tobias Freimüller in seinem Vortrag nach.

Maximilian Aigner widmet sich der Vereinsgeschichte der Eintracht Frankfurt in der NS-Zeit. Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten galt die Frankfurter Eintracht als liberaler und weltoffener Fußballverein. Imagebildend war vor allem das Engagement jüdischer Funktionäre, Athleten und Förderer, die großen Anteil an den sportlichen Erfolgen des Clubs hatten. Dennoch kooperierte die Eintracht ab 1933 wie die meisten Sportorganisationen relativ widerstandslos mit dem neuen Regime. Eintracht Frankfurt hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen zur Aufarbeitung der Clubgeschichte unternommen. Eine umfassende Untersuchung zu den »Vereinsführern« fehlte jedoch bislang.

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Holocaust-Mahnmal Berlin
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Dr. Tobias Freimüller ist Historiker und stellvertretender Direktor des Fritz Bauer Instituts. Er wurde mit einer Studie über den Psychoanalytiker und öffentlichen Intellektuellen Alexander Mitscherlich promoviert und war bis 2017 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena tätig. 2010 war er Theodor Heuss Lecturer und Assistant Professor an der New School for Social Research in New York, 2012 Fellow am Franz Rosenzweig Minerva Research Center an der Hebräischen Universität Jerusalem. Mit seiner Studie „Frankfurt und die Juden“ wurde er 2019 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main habilitiert. Das Buch wurde ausgezeichnet mit dem Rosl und Paul Arnsberg-Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft des Jahres 2019.

Maximilian Aigner studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Politische Theorie in München und Frankfurt am Main. Seit 2015 ist er am Fritz Bauer Institut tätig, zunächst als studentische Hilfskraft, später als freier Mitarbeiter. Von Ende 2018 bis Anfang 2020 führte er dort das von Eintracht Frankfurt geförderte Forschungsprojekt durch. Die Ergebnisse seiner Recherchen erscheinen im November 2020 in der Reihe »Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust« im Wallstein Verlag.

Sendung: hr2-kultur, "Literaturland Hessen", 18.04.2021, 12:04 Uhr,
Wiederholung am 24.04.2021, 18:04 Uhr.

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