Lyonel Feininger prägte das Dessauer Bauhaus, dem er als Meister von 1919 bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933 angehörte, wie kaum ein Zweiter. Mit seinen Freunden Paul Klee und Wassily Kandinsky revolutionierte er die Kunst. Doch sein Leben hat viele Widersprüche und steht im das Dilemma einer doppelten Exil-Existenz. Andreas Platthaus ist zu Gast in den "Frankfurter Premieren". Im Gespräch mit Lisa Zeitz erzählt das Leben eines Mannes, der sich im steten Zwiespalt zwischen amerikanischem und deutschem Selbstverständnis befand.

1871 in New York geboren und Berliner aus Neigung, verbrachte der Karikaturist, Maler und Bauhauslehrer Lyonel Feininger eine Hälfte seines Lebens in Deutschland. Hier wurde er zu dem Künstler, als der er in die Kunstgeschichte eingegangen ist, und hier gründete er zwei Familien. Dass er, ein dezidierter Modernist und in zweiter Ehe mit einer Jüdin verheiratet war, erst 1937 Nazi-Deutschland verließ, gehört zu den Merkwürdigkeiten, die dieses so reiche und lange Künstlerleben ausmacht.

Für seinen Biografen Andreas Platthaus, der bei mehrmonatigen USA-Aufenthalten den Feininger-Nachlass erforscht und dabei bislang unpublizierte Quellen entdeckt hat, ist Lyonel Feininger ein Exempel für die Ambivalenz des 20. Jahrhunderts, für dessen Zwiespalt zwischen absoluten Modernität im Ästhetischen und politischem Totalitarismus“. Entstanden ist eine faszinierende Künstler-Biografie, die eine Lektüre unbedingt lohnt.

Andreas Platthaus leitet das Ressort Literatur und literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, für die er seit 1992 schreibt, und ist Autor zahlreicher Bücher, darunter die große Darstellung der Völkerschlacht bei Leipzig, 1813, und das Amerika-Porträt Auf den Palisaden. Andreas Platthaus lebt in Leipzig und Frankfurt am Main.

Die Kunsthistorikin und Journalistin Lisa Zeitz ist Chefredakteurin des Magazin Weltkunst.

Wir senden einen Mitschnitt der Evangelischen Akademie Frankfurt. 

Weitere Informationen

Michael Platthaus: Lyonel Feininger: Porträt eines Lebens, Rowohlt Berlin 2021, geb. Ausgabe 28 Euro

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Die Reihe "Frankfurter Premieren" des Kulturamts Frankfurt am Main stellt aktuelle Bücher (Prosa, Sachbuch, Lyrik) aus Frankfurter Verlagen oder von Autor*innen aus Frankfurt vor. In Kooperation mit der Evangelischen Akademie Frankfurt und gefördert im Rahmen von Neustart Kultur der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V.

Sendung: hr2-kultur, "Literaturland Hessen", 15.08.2021, 12:04 Uhr;
Wiederholung am 21.08.2021, 18:04 Uhr.

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