Immer wieder beschäftigt sich Navid Kermani, als Schriftsteller, Publizist und Orientalist, mit dem christlichen und islamischen Erbe, mit Gemeinsamkeiten und Differenzen und dem Überschreiten von Grenzen. Nun erhält er für sein Gesamtwerk den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg.

Schon in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen 2010 hat sich Navid Kermani intensiv mit Hölderlin auseinandergesetzt. Aber nicht nur das zeichnet den Friedrich-Hölderlin-Presiträger 2020 aus.

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Aus der Jurybegründung:

Über das Verhältnis von Glauben und Gesellschaft schreibt der in Siegen aufgewachsene Autor iranischer Abstammung ebenso kenntnisreich wie über das ästhetische Erleben des Koran, den Rockmusiker Neil Young oder seine gefährlichen Reisen in die Krisengebiete unserer Zeit. Einen Kronzeugen für seine literarische Poetik, die nicht zuletzt in seinem autofiktionalen Roman "Dein Name" (2011) im Kleinsten stets ein Abbild des Ganzen sucht, findet er in Friedrich Hölderlin. In seiner zeitgleich verfassten Frankfurter Poetikvorlesung "Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe" feiert Kermani selbstreflexiv, aber auch selbstironisch seine Liebe zum Dichter. Dabei lässt er erkennen, warum es gerade kein Zufall ist, dass dieser ihn zu einer alles als gleichwertig betrachtenden Literatur inspiriert hat. Bei Navid Kermani treffen philologische Genauigkeit und literarischer Enthusiasmus aufs Schönste zusammen. Furchtlos wandelt er dabei auf dem schmalen Grat zwischen Inspiration und Reflexion, zwischen Intuition und analytischer Schärfe - ein literarisches Wagnis, das nur den Wenigsten gelingt.

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Zum Gedenken an den Dichter verleiht die Stadt Bad Homburg v.d.Höhe alljährlich im Juni den Friedrich-Hölderlin-Preis (Stiftung Cläre Jannsen). Er ist mit 20.000 Euro dotiert und wird als allgemeiner Literaturpreis für hervorragende Leistungen vergeben. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Verleihung des Friedrich-Hölderlin-Preises vom üblichen Termin im Juni verschoben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Hölderlin würde unter uns frieren"

Navid Kermani
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Nur eine ganz kleine Festgemeinde konnte diesmal am 1. November bei der feierlichen Verleihung des Friedrich-Hölderlin-Preises in der Bad Homburger Schlosskirche zugegen sein. Dieses Jahr wurden Navid Kermani und Dana von Suffrin ausgezeichnet - Und sie fanden ganz verschiedene Antworten auf die Frage, welche Bedeutung Hölderlin für sie persönlich, aber auch für unsere Gesellschaft und die aktuelle Zeit hat.

Im ersten Teil senden wie Ausschnitte aus den Laudationes und den Reden der Preisträgerin und des Preisträgers. Der mit 7500€ dotierte Förderpreis ging in diesem Jahr an die Schriftstellerin Dana von Suffrin. In ihrem Debütroman „Otto“ schreibt sie über einen starrköpfigen jüdischen Patriarchen, der zum Pflegefall wird. Die Laudatio hält der Historiker Till van Rahden.

Im zweiten Teil können Sie die Rede Navid Karmanis hören, nach der Laudatio von Jürgen Kaube, Mitherausgeber der FAZ.

Sendung: hr2-kultur, "Literaturland Hessen", 08.11.2020, 12:04 Uhr.
Wiederholung am 14.11.2020, 18:04 Uhr.

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