Gender-Sternchen und Binnen-I und diskriminierende Begriffe – um nichts wird derzeit so leidenschaftlich gestritten wie über die richtige Sprachverwendung. Schon macht die Behauptung von einer „Sprachdiktatur“ die Runde. Es geht hier offenbar um mehr als nur um die korrekte Wortendung. Worum geht es hier eigentlich und wer bestimmt, wie wir reden sollen? Diese Fragen stellen sich die Teilnehmer*innen der 50. Römerberggespräche.

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Römerberggespräche: Sprache. Macht. Gerechtigkeit

Mesch mit Plakat
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Gerechtigkeitsempfinden steht dabei gegen Sprachgefühl. Die einen wollen inklusiver und diskriminierungsfreier sprechen, die anderen fühlen sich zu phonetischen Verrenkungen genötigt. Während für die einen Sprache der Hort historischer und gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten ist, fühlen andere sich durch die Inflation immer neuer Sprachnormen bevormundet und überfordert. Gender-Sprache gilt mancherorts inzwischen als Herrschaftssprache eines gut gebildeten Milieus, an dem nicht alle teilhaben. Während auf der anderen Seite Non-binäre und Trans-Menschen damit um gesellschaftliche Sichtbarkeit ringen.

Die Frankfurter Römerberggespräche sind eine feste Institution der Debattenkultur in Deutschland. Sie bestehen seit 1973 in ununterbrochener Folge. Es handelt sich um Expertengespräche für eine interessierte städtische Öffentlichkeit: Wissenschaftler, Essayisten und Künstler erörtern in Vorträgen, Dialogen und Diskussionsrunden die politischen, kulturellen und intellektuellen Themen der Gesellschaft. Wir senden gekürzte Mitschnitte von den Veranstaltungen am 6. November, die unter dem Motto "Sprache. Macht. Gerechtigkeit" stattfanden.

Sendung: hr2-kultur, "Literaturland Hessen", 02.01.2022, 12:04 Uhr