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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mats Staub im Mousonturm: Die Sucht nach guten Gesprächen

Mats Staub: "Death and birth in my life" im Mousonturm

Zwei Menschen, die über Tod und Geburt sprechen: Die Grundlage von Mats Staubs künstlerischen Arbeiten sind biografische Interviews. Seine neue Arbeit ist jetzt im Mousonturm zu sehen.

Der Künstler Mats Staub bezeichnet sich selbst als "Zuhörer": Grundlage seiner künstlerischen Arbeiten sind stets biografische Interviews, die er mit ganz gewöhnlichen Menschen führt. Über ihre Großeltern beispielsweise oder über ihr 21. Lebensjahr. Gestern feierte seine neue Arbeit "Death and Birth in my Life" Vernissage am Künstlerhaus Mousonturm.

Eine Videoinstallation, die jeweils zwei Menschen im Zwiegespräch zeigt. Gemeinsam erinnern sie sich an die Geburten und Tode, die sie erlebt haben. Die Ausgangspunkte von Staubs Arbeiten sind selbst meist biografisch – hier war es die Auseinandersetzung mit dem Tod seines Bruders, der im Dezember 2014 an Krebs starb. Das Leben danach sei ein verändertes gewesen, sagt er. "Und irgendwie leben wir ja weiter. Aber die Frage ist eben: Wie?", so der Künstler.

Die Sucht nach guten Gesprächen

Darum geht es auch ganz stark in seinem Projekt. Es seien alles Leute, die weiterleben, die Menschen verloren haben, und auch Leute hinzugewonnen haben. "Für mich hat der Tod ein anderes Licht auf die Geburt geworfen", sagt Staub.

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„Für mich hat der Tod ein anderes Licht auf die Geburt geworfen.“ Zitat von Mats Staub
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Während der 47-jährige Schweizer Künstler in seinen vorangegangenen Arbeiten Interviews mit Einzelnen führte, so sind es jetzt zwei Menschen, die sich miteinander unterhalten. Meist kennen sie sich vorher nicht, meist ist es Staub, der sie zusammenbringt. Er sei "interessiert bis fast süchtig" nach einem guten Gespräch. Für ihn sei es etwas unglaublich Bereicherndes. "Ich lerne viel von anderen Leuten, wie die mit ihrem Leben umgehen, und bin ganz froh, all diesen Gesprächen zuzuhören", sagt der Künstler.

Das Gespräch als Bereicherung

Für "Meine Großeltern" führte Mats Staub zwischen 2008 und 2013 300 Interviews. In "21", im Jahr 2012 in Frankfurt gestartet, sind es bislang knapp 200 Gespräche. Auch "Death and Birth in my Life" ist ein Langzeitprojekt, für das Staub fortwährend neue Gesprächspartner sammelt und Gespräche führt. 67 sind es bislang, 12 davon werden in Frankfurt gezeigt.

In der Installation wird das Publikum zum Teil dieser Gespräche, wird zu Zuhörerinnen und Zeugen. In kleinen Gruppen sitzt man auf bequemen Stühlen und verfolgt per Kopfhörer die Erzählungen. Es ist das bislang längste von Staubs Projekten: Jedes Gespräch geht 50 Minuten lang, nach einer Pause folgt ein Zweites. Gezeigt wurde das in diesem Sommer gestartete Projekt unter anderem schon in Hannover, Paris und Manchester. Es gibt aber auch Kooperationspartner in Südafrika.

Existenzielle Knotenpunkte Revue passieren lassen

Diese Tod-und-Geburt-Gespräche, seien sehr intensiv, erzählt der Künstler. Aber sie seien oft auch ein Gefühl von Leichtigkeit. "Währenddem sind wir alle manchmal sehr traurig, aber danach ist so ein – man ist durch etwas durchgegangen gemeinsam, aber es fühlt sich nicht mehr so schwer an", sagt Staub.

Zitat
„Man ist durch etwas durchgegangen gemeinsam, aber es fühlt sich nicht mehr so schwer an.“ Zitat von Mats Staub
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Seine Tätigkeit als Zuhörer, sagt er, sei eine Art der Lebensführung. Dabei spiegelt sich natürlich stets der Makrokosmos im Mikrokosmos, die Geschichte in den subjektiven Geschichten.

Diese Großzügigkeit, die dem Erzählen von scheinbar Alltäglichem und Gewöhnlichem eingeräumt wird, sie steht in einer schönen Widerständigkeit zur allgegenwärtigen Verknappung der Kommunikation – nicht zuletzt in den sogenannten "sozialen Medien". Und sie gibt natürlich auch den Zuhörenden die Möglichkeit, existenzielle Knotenpunkte ihres eigenen Lebens Revue passieren zu lassen.

Weitere Informationen

Death and Birth in My Life

Mousonturm, Waldschmidtstraße 4
Nächster Termin: 22. November 2019
Weitere Termine und Informationen

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 21.11.2019, 17:45 Uhr

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