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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Metzgersohn Klaus Reichert über den Respekt vor dem Tier auf dem Teller

Klaus Reichert

Wollen wir Fleisch essen, müssen Tiere dafür sterben. Der Moderator und Metzgersohn Klaus Reichert hat sich in seinem Buch mit diesem Thema beschäftigt.

Ist die Menge an Tieren, die jedes Jahr in Deutschland sterben müssen, auch ein Grund, warum die Fleischindustrie so anfällig ist für Skandale, so wie bei Tönnies zuletzt?

Klaus Reichert: Dass wir heute so mit Fleisch umgehen, dass wir es also industriell für eine große Menge von Menschen produzieren, das ist nicht die Schuld von Herrn Tönnies. Sondern Herr Tönnies hat das gemacht, was wir in Deutschland sehr gut können, nämlich: aus einer handwerklichen Idee eine Industrie zu machen.

Wieviel Schlachthöfe gibt es zum Beispiel noch in Hessen? Ganz wenige. Jetzt haben wir allein in Hessen einen Bestand von 300.000 Schweinen, die hier aufgezogen werden. Ja, wo sollen die denn geschlachtet werden? Nun, die werden natürlich zum Tönnies oder anderen großen Schlächtern gefahren. Und die Frage ist doch, warum ist das so?

Warum hat man den 90er-Jahren in Frankfurt den Schlachthof zugemacht? Weil es gesellschaftlich vielleicht nicht mehr gewollt war, dass das so sichtbar ist, dass die Tiere dahin gefahren werden, dass sie getötet werden, dass man das riecht, dass man das schmeckt, dass man das mitbekommt. Irgendjemand kam auf die Idee eine Industrie aufzubauen. Und wir sind so weit weg von dem Thema Schlachten und vom Tod der Tiere.

Hat Ihre Leidenschaft für das Thema etwas damit zu tun, dass man als Metzgersohn anders damit aufwächst? Man kann in ihrem Buch nachlesen, dass Sie schon als kleines Kind beim Schlachten dabei sein mussten.

Klaus Reichert: Das war ein Schock, das erste Mal beim Schlachten dabeigewesen zu sein und das so hautnah mitzuerleben. Ich war fünf Jahre alt und ich muss sagen, an der Stelle hat sich mein Vater oder die Leute, die verantwortlich für mich waren, unachtsam verhalten. Davon würde ich eher abraten.

Cover Klaus Reichert: Fleisch ist mir nicht Wurst - Über die Wertschätzung unseres Essens und die Liebe meines Vaters zu seinem Beruf

Aber ich würde sagen, wir müssen uns dem stellen, dass wir die Tiere töten. Die geben ihr Fleisch nicht freiwillig her. Und sich in diese Situation zu begeben, dass wir selber die Erfahrung machen, dass diese Tiere sterben und dann verarbeitet werden – das ist eine Erfahrung, jeder, der Fleisch gegessen hat oder Fleisch isst, sollte sich dieser Erfahrung stellen.

Eine Forderung in dem Buch ist nicht nur die Forderung nach mehr Schlachthöfen, die übrigens die Politik jetzt aufgegriffen hat. Da wurde mein Bruder im Bundestag zitiert. Aber die Forderung nach mehr Schlachthöfen ist fünf Jahre alt.

Ich habe aber eine weitere Forderung obendrauf gesetzt: Dass in der neunten Klasse ein Besuch im Schlachthof stattfindet oder beim Metzger, der noch schlachtet. Ich garantiere Ihnen: jeder, der das mitmacht, guckt anders auf dieses Essen. Damit der Wert geschätzt wird, dass dafür und Tier gestorben ist.

Die Fragen stellte Daniella Baumeister.

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 11.8.20, 18:10 Uhr

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