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Sebastião Salgado - Terra - Haus am Dom

Er reist seit Jahrzehnten um den Globus, um Menschen bei der Arbeit und in ihren - oft traurigen - Situationen zu fotografieren. Sebastião Salgado gilt als eines der "Gewissen der Welt". 2019 bekam er dafür den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Jetzt zeigt das Haus am Dom der katholischen Kirche in Frankfurt Bilder von ihm.

Sebastião Salgado - Terra - Haus am Dom

Auf seinen Bildern sehen wir die so genannten Landlosen in Brasilien - Menschen, die vertrieben wurden aus ihren eigentlichen Gebieten, aus ihren Jahrtausende alten Dörfern an den Nebenflüssen des Amazonas. Menschen, die Land besetzen müssen, um Nahrungsmittel anzubauen. Oft Menschen, die indigenen Völkern angehören, die im und vom Urwald gelebt hatten und von den Kettensägen der Sojabauern ins Nichts verfrachtet wurden, also umherziehen mit ihren Großfamilien, sich durchschlagen als Erntehelfer oder Kleinbauern. Salgado gibt ihnen ein Gesicht.

Vertriebene im eigenen Land

Ab 1980 ist er den roten Pisten gefolgt, die Goldsucher oder Plantagenbetreiber durch den Urwald geschlagen haben, um dort Kakao oder Soja anzubauen, Kupfer oder Gold aus der Erde zu holen. Salgado hat die Elendsviertel der Städte aufgesucht und war sehr nah dran an den miserablen Verhältnissen. Seine Bilder zeigen etwa Müllkippen voller Plastiksäcke, dazwischen Menschen, die etwas Verwertbares suchen. Große schwarze Vögel kreisen über der Szene wie Geier. Auf diesen Müllkippen, so lernen wir aus einem Begleittext, gibt es eine strenge Hierarchie der Müllsammler und -sortierer. Genauso wie auf den Feldern, die Salgado fotografiert hat, die Tagelöhner stehen ganz unten, rechtlos, dann kommen die Aufseher, oft mit Waffen. Ganz oben die Großgrundbesitzer, die in den Städten in klimatisierten Büros und Villen mit Pool sitzen. Salgado hat die Aufstände gegen diese Verhältnisse fotografiert, etwa eine Szene, in der Hunderte von Zuckerrohr-Arbeitern mit ihren langen Sicheln zu einem Marsch aufgebrochen sind.

Sebastião Salgado - Terra - Haus am Dom

Das Elend fotografieren

Doch zugleich kommt eine Schönheit aus der Würde, die Salgado seinen Fotografierten gibt. Alle werden als Individuen ernst genommen. Also nicht als traurige Masse, mit der man bitte Mitleid haben soll, sondern als Personen, die einen Namen, ein Schicksal haben, das Salgado zeigt. Diese Bilder sind kraftvoll und meisterhaft komponiert! Eines der ikonischsten Bilder von Salgado überhaupt ist auch zu sehen: Das Mädchen, dessen Gesicht verschmiert ist. Ist das Blut, ist das eine Narbe?

Fazit

Die Ausstellung ist unbedingt einen Besuch wert! Ich habe viel gelernt, über die Verhältnisse dort und auch wie man ein Bild meisterhaft aufbaut. Salgado hat einige Bücher gemacht, die sind teuer oder vergriffen. Hier kann man sich von der Qualität und von der Botschaft dieses Mannes überzeugen.

Weitere Informationen

Terra - Sebastião Salgado

Haus am Dom
Domplatz 3
60311 Frankfurt am Main

Mo-Fr 9-17 Uhr
Sa-So 11-17 Uhr

Eintritt frei

Mehr zur Ausstellung

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 3.7.2020, 7:30 Uhr

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