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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Ein neues Geschäftsmodell kombiniert Urban Gardening mit einer Paketabholstation"

Flyer My Home Is My Parcel im Deutschen Architekturmuseum

Abgeleitet von "My Home is my Castle" zeigt eine Ausstellung Ideen, wie das immer beliebtere Online Shopping nachhaltig gestaltet werden kann: Elf Entwürfe von Studierenden der Innenarchitektur an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden.

My Home is My Parcel - DAM

Zu sehen sind Ideen und Konzepte rund um das Ende der Lieferkette, also die Schnittstelle zwischen Paket und Kunde. Wie kann man verhindern, dass immer mehr Lieferfahrzeuge durch die Städte fahren, dass die Menschen zu Hause auf dem Sofa vereinsamen und unsere Innenstädte verwaisen? Das Thema ist in Corona-Zeiten drängender geworden: Die größte deutsche Warenhauskette muss ein Drittel ihrer Häuser schließen, auch weil in den letzten drei Monaten immer mehr online bestellt wurde.

Kann Online-Shopping nachhaltiger werden, wie bringt man den Handel wieder an reale Orte?

My Home is My Parcel - DAM

Und wie könnte man den öffentlichen Raum zurückerobern? Die Innenstädte sind und bleiben Begegnungsorte, auch wenn es um Konsum geht, hier passiert Austausch und Kommunikation. Einige Konzepte kombinieren die Paketstation mit anderen Funktionen: Sie ist gleichzeitig ein Café, hier gibt es Hausaufgabenbetreuung und es lehrt eine Sprachschule.  Und es gibt sogar ein neues Geschäftsmodell, das Urban Gardening mit einer Paketabholstation kombiniert: Ein Parkhaus wird beispielhaft in eine Pflanzanlage umgewidmet, Paketpappe wird vor Ort kompostiert. Darauf wächst dann vitaminreiches Keimgemüse, so genanntes Microgreen. Dann kann man sein Paket abholen, die Verpackung gleich da lassen und sich dieses junge Gemüse kaufen.

Komplexe Entwürfe von angehenden Innenarchitekt*innen

Diese Entwürfe wollen Impulse geben und neue Räume der Kommunikation gestalten – und wollen auch gesellschaftliche Probleme lösen. Die Ausstellung gehört zu einer Reihe des Architekturmuseums, die eine Wissensplattform mit dem Namen “Impact” von der Hochschule Rhein-Main vorstellt: Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und der Öffentlichkeit. Es geht immer um die Auswirkungen von Digitalisierung, positive wie negative.

Problem des Online-Shoppings: Zurückgeschickte Waren

My Home is My Parcel - DAM

Oft ist die Ware dann nicht mehr makellos und wird einfach weggeworfen. Abhilfe könnte das Retourenkaufhaus schaffen, der Entwurf einer Studentin.  Es ist ganz in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs angesiedelt, mit kurzen Lieferwegem. Die Idee ist, dass man seine Produkte nicht nach Hause bestellt, sondern ins Kaufhaus, dort kann man an- und ausprobieren und auch gleich zurückgeben, wenn's nicht geflällt. Das Kaufhaus ist gebaut wie ein großes Hochregellager, es sind kleine Läden integriert und dort werden die Waren dann weiterverkauft. 

Ideen müssen ihren Weg in die Gesellschaft finden und umgesetzt werden

My Home is My Parcel - DAM

Vielleicht sind nicht alle Konzepte bis zu Ende gedacht, aber es gibt viele gute Ideen. Eine Studentin hat sich in ihrer Arbeit den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der Paketkuriere angenommen. Die Arbeit heißt "Botenclub im Neoliberalismus". In der Ausstellung sieht man eine große Kohlezeichnung, da sitzen die Paketkuriere auf Yogamatten, oder spielen Billard. Dieser Botenclub ist selbstverwaltet, es gibt  Übernachtungsmöglichkeiten, eine Kantine und eine Reparaturwerkstatt, sogar ein Kino und Physiotherapeuten vor Ort. Und natürlich auch ein Paketlager. Hier läuft die Paketverteilung innerhalb der Stadt  CO2-frei, mit Fahrrädern und solarbetriebenen Rikschas zu kleineren Paketstationen an Bus- und Bahnhaltestellen, wo die Leute ihre Päckchen dann abholen.

Die Ausstellung ist nur eine Woche lang zu sehen

Bis einschließlich kommenden Sonntag. Aber auf der Internetseite des Architekturmuseums kann man einen Film zur Ausstellung sehen, online gibt es den Katalog mit allen Projekten und heute um 19 Uhr findet eine Podiumsdiskussion statt, wie so vieles auch coronabedingt virtuell.

My Home is my Parcel – kann Online-Shopping nachhaltig sein?
Deutsches Architekturmuseum Frankfurt
Bis 28. Juni

Sendung: hr2-kultur, 23.6.2020, 7:30 Uhr

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