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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Eine dichte Reise durch Zeit und Raum und Gedanken."

Die Berliner Künstlerin Marta Vovk (geb. 1989 in Lviv, Ukraine)

So könnte man vielleicht die Initiativen von Künstlern und Galerien, von Museen und Ausstellungshäusern zusammenfassen. Auf unterschiedlichsten Wegen nutzen Kreative und Kunstschaffende die Möglichkeiten der Digitalisierung um in Kontakt zu bleiben, untereinander, mit dem Publikum, mit Kunstfreunden.

Menschen äußern sich, hören einander zu, schaffen Kunst und stellen diese aus. Alles im Netz. Stefanie Blumenbecker stellt uns heute ein paar schöne Fundstücke vor.

Wenn Galerien geschlossen sind und Kunstmessen abgesagt sind, bieten Instagram und Twitter ein Fenster in die Welt. Ein schönes Beispiel kommt aus England: Der geheimnisvolle und stets anonym arbeitende Street-Art Künstler Bansky hat seine neueste Arbeit bei Instagram veröffentlicht.

Mit der lakonischen Bemerkung "My wife hates it when I work from home" versehen, sieht man seine bekannten Ratten, wie sie gerade dabei sind (s)ein Badezimmer zu zerlegen. Die kleinen Kerlchen tummeln sich als Wandmalerei im Regal, auf dem Waschbecken und dem Spülkasten. Eine wirft die Flüssigseife um, zwei scheinen den Spiegel aushebeln zu wollen, eine erleichtert sich in der Toilette. Sie tun, was Ratten vermutlich am besten können: heilloses Chaos anzurichten. Die Einrichtung scheint vollständig den Bach runterzugehen. Der aus dem englischen Bristol stammende Künstler gibt fast nie Details aus seinem Leben preis, seine Identität ist nach wie vor nicht bekannt. Dass er in dem Instagram Post eine Ehefrau ,"my wife", erwähnt, versetzte seine Fans weltweit in helle Aufregung.

Instagram wird vor allem genutzt um Fotos und Videos zu veröffentlichen. Nutzen auch andere Künstler diese Möglichkeit?

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Soziale Medien - wie geht das?

Für die Dienste Instagram, Twitter oder Facebook sind Anmeldungen erforderlich, diese sind zur Zeit kostenlos. Sie können sich mit Ihrem eigenen Namen oder einer erfundenen Phantasiefigur anmelden, etwa "Giocondadulouvre". Um keine Spuren zu hinterlassen, benutzen Sie dazu am besten nicht ihre normale eMail-Adresse, sondern legen sich eine jeweils eigene zu, z.B. johanna_aus_marburg_bei_insta@... oder facebook_klaus1955@... Zahlreiche Mail-Provider wie web.de, gmx.de oder gmail.com erlauben das, auch kostenlos. Es ist nicht zu empfehlen, sich z.B. bei Instagram mit dem Facebook-Passwort anzumelden.

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Viele tun das. Der österreichische Performance Künstler Erwin Wurm zeigt aus seinem Instagram-Kanal einen kleinen Film von seiner letzten Ausstellung in Tapei. Ich fand es erheiternd, wie experimentierfreudige Taiwanesen seine One-Minute Sculptures erproben: Vor allem junge Menschen legen ihren Kopf unbefangen unter Stehlampen, besteigen die von Wurm bereitgestellten Architekturmodelle aus Ton, tragen Stühle und Stofftiere auf dem Rücken oder balancieren Wasserflaschen auf den Füßen. Hier realisiert sich Wurms Performance-Konzept auf das schönste: Das Erproben von Haltungen, das Absurde und Überraschende. Eine Minute voller Wunder!

In einem zweiten kleinen Film, den Wurm in seinem Atelier offensichtlich mit dem Handy drehte, präsentiert seine kleine Tochter Alltagsgegenstände, die man nutzen kann um selber eine One-Minute Sculpture nachzustellen. Wurm zeichnet vor unseren Augen eine Anleitung. Fotos oder kleine Videos von der Aktion kann der Nutzer dann auf seinem eigenen account posten und damit Teil des Wurm’schen Kosmos werden.

Die momentane Situation lädt auch dazu ein, älteres Material neu zu verlinken. Was sind die Archiv-Perlen?

Der Kurator und Kunstschriftsteller Hans-Ulrich Obrist stellte verschiedene Interviews mit den Größen der Kunstwelt online. So findet man auf Youtube von ihm Gespräche mit Katharina Grosse, Anne Imhof oder Frank Gehry. Berührend das 30-minütige Interview mit der 1925 in Beirut geborene Etel Adnan von 2017 (in englischer Sprache).

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Obrist führt mit der libanesischen Schriftstellerin und Malerin ein Gespräch, das so frei heraus ist, dass es teilweise fast respektlos erscheint, dann wieder sehr tiefgründig. Es kreist um soweit auseinanderliegende Phänomene wie Tiere, die Oper, Malerei oder den Nebel.

Sie sprechen über "Extinction", das Artensterben. Für Etel Adnan ist das Phänomen des Aussterbens die härteste philosophische Idee, denn etwas verschwindet für immer. Sie beschreibt auch den Verlust von Zivilisation, von Kulturen, sogar von Arten des Denkens als "extinction". Der Film ist eine ungewöhnliche Begegnung mit einer ungewöhnlichen Frau. Das ist eine dichte Reise durch Zeit und Raum und Gedanken. Man hört man sich gut in das etwas nuschelnde Englisch einer großen Künstlerin ein. Ein echtes Zeitdokument.

Künstlergespräche wurden ja immer wieder als der beste Weg beschrieben, Einsichten über Malerei zu gewinnen. Wo kann man gute nachlesen?

Ich war von der den "Studio Talks" überrascht. Gegründet wurde die Seite von dem Texter und Kreativdirektors Malte Bülskämper. Hier wird der Besucher etwas respektlos mit dem Satz begrüßt, "Painting is fucking dead. Long live paintig". Entgegen dieser provokativen Überschrift sind die notierten Gespräche mit ausnahmslos jüngeren Künstlern fast alle auf Deutsch, was in der Welt des Internets auch manchmal eine Erholung sein kann.

Die Malerei der zwölf Künstler, die in teilweise recht ausführlichen Gesprächen vorgestellt werden ist auffallend starkfarbig und häufig großformatig. Man begegnet hier einer Generation Künstler, die man zu den Millenials (Mitglieder jener Generation, die um das Jahr 2000 volljährig wurden oder bis dahin geboren wurden, auch "Generation Y", d.Red.) rechnen kann. Sie sprechen nicht nur über ihre Kunst und die Art ihrer Malerei. Einflüsse und Vorbilder sind Thema und natürlich die Auseinandersetzung mit der Gegenwart. So stellt der Künstler Christian August fest: "Es ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, mit der Komplexität der Welt klarzukommen."

Das Titelbild zigt die Berliner Künstlerin Marta Vovk (geb. 1989 in Lviv, Ukraine)

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 30.4.2020, 16:15 Uhr

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