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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Man möchte so weit wie möglich von Jack Nicholson wegkommen."

One flew over the Cuckoo’s Nest

Wenn es einen Film gibt, der einen Schauspieler noch berühmter machte als er schon war, dann war das 1975 "Einer flog über das Kuckucksnest". Jack Nicholson prägte Miloš Formans Meisterwerk, jetzt wagt sich das English Theatre in Frankfurt an eine Bühnenfassung. Wie löst sich das Ensemble vom diabolischen Grinsen in der Filmvorlage? Es besetzt den Irren, der gar keiner ist (oder doch?), mit einer Frau!

Viele kennen den Film. Wie geht der Vergleich aus?

One flew over the Cuckoo’s Nest

Man kann sich kaum gegen einen inneren Vergleich erwehren, weil dieser Film im Kopf hängen geblieben ist: Nicholson spielt den Randle McMurphy, der verrückt genug ist zu denken, man könne dem Gefängnis entkommen, in dem man sich in eine psychiatrische Klinik einweisen lässt und dort eine gewisse Zeit absitzt und dann wieder rauskommt. Das geht aber eben nicht, weil die Ärzte bestimmen, wann man gesund ist und wann nicht. Diese Bilder des Films sind so stark, da muss ein Theaterstück schon sehr kämpfen um dagegen anzukommen.

Funktioniert das in Frankfurt?

One flew over the Cuckoo’s Nest

Das English Theater besetzt Randle McMurphy mit einer jungen schwarzen Frau, Ewa Dina, die auch ganz anders als Nicholson im Film: Das Dämonische, Hinterhältige und Süffisante fehlt hier. Sie dagegen ist laut, spricht Straßensprache, kommt aus einer unteren Gesellschaftsschicht. Ihr ständiges Brüllen und Klatschen ist ein bisschen zuviel des Guten, man könnte es als etwas "overacted" empfinden. Aber man möchte eben soweit wie möglich von Nicholson wegkommen - und das funktioniert wunderbar. Und die neue Dynamik stimmt, weil es eine männliche Krankenschwester gibt, gespielt von Nigel Fairs. Irgendwann denkt man nicht mehr an den Film.

Wie wird der Stoff erzählt?

One flew over the Cuckoo’s Nest

Regisseur Derek Anderson macht europäisches Regietheater und kein amerikanisch-englisches narratives, in dem der Stoff einfach nur transportiert wird. Und er ist eng am Original-Roman von Ken Keseys, in dem etwa der "Indianer" Chief Bromden wieder als Erzähler fungiert - im Film sagt er ja nur einen Satz. In Frankfurt schafft Schauspieler Troy Alexander jene biografischen Assoziationen, die das Buch so auszeichnet. Wenn man so will, ist die Theaterfassung, die hier gezeigt wird, literarischer als der Film.

One Flew Over the Cuckoo’s Nest
Eine Tragikomödie von Dale Wasserman nach der Romanvorlage von Ken Kesey
(In englischer Sprache)
The English Theatre Frankfurt
Gallusanlage 7
noch bis 19. Oktober

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 3.9.2019, 7:30 Uhr

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