Podcast Bilder voller Sehnsucht: Antanas Sutkus in Rüsselsheim

Antanas Sutkus, Jean-Paul Sartre in Lithuania. Nida, 1965

Ikonisches und Alltägliches

Das berühmteste Bild von Anatas Sutkus ist Sartre am Strand: Gebeugt, gegen den Wind, der Horizont leicht schief, ein Mann in schwarzen Lackschuhen im Sand – eine Ikone der Fotografie, DAS Bild von Sutkus. Er hat es durch Zufall machen können, war kurzfristig und überraschend eingeladen worden, die französichen Philosophen zu begleiten. Solch ein Bild macht man nur einmal im Leben – in der Tat: Alle andere Bilder von Antanas Sutkus  sind schön, anrührend, dokumentrarisch wertvoll, künstlerisch, verspielt, liebevoll, aber nicht so stark wie dieses eine, das als Poster in vielen Zimmern hing: Sarte am Strand, Nida, 1965, kurische Nehrung, die der Philosoph als den "Eingang zum Paradies" bezeichnete.

Meisterschaft mit einfachsten Mitteln

Diese Schwarz-Weiß-Bilder nehmen einen in einer Weise gefangen, die man selten erlebt: Ein Mädchen auf einer Treeppe, mit einem Stück Brot in der einen, mit einer Puppe in der anderen Hand, die Bäckchen rot, der Mund erstaunt, die Augen groß, einfachste Frisur, ein selbstgenähtes Wams -  Antanas Sutkus hat das Kind in ein Licht wie eine Madonna getaucht, es hat etwas Heiliges, das umwerfend ist

Anrührend, anregend

Wir sehen intensive Portrais und Situationen aus den 1960er und 1970er Jahren, die im Kopf bleiben: Kinder, Arbeiter, Bauern - Menschen voller Hoffnung, wie sie direkt in die Kamnera schauen oder so abwesend dreinblicken, als ob sie bezahlte Schauspieler seien. Eine insgesmat sehr starke Ausstellung eines Fotografens, den man dringend kennenlernen sollte. Seine Bilder sagen uns: Schaut auf die Menschen, geht hin, redet mit ihnen, fragt wie es ihnen geht und welche Träume sie haben. Daduc sind diese Bilder sehr aktuell, auch wenn sie alt sind, s/w sind und trist. Solche Situationen findet man heute noch, man muss sie nur sehen wollen.

Die Aktualität alter Bilder

Diese Fotos hätte man im Westen sehen müssen, doch die Bilder waren versteckt, zensiert, verboten, wie das des kahlrasierten Pioniers mit Schal, das Antanas Sutkus fast ins Gefängnis gebracht hätte, weil es vom Elend der Kollektivierung erzählt – und von der Einsamkeit der Kinder.

Rüsselsheim, Opelvillen
Antanas Sutkus. Fotografien
Ausstellung bis 28. April

Hören Sie hier das Gespräch mit Kuratorin Beate Kemfert, Leiterin der Opelvillen Rüsselsheim

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